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40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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Richärdis, beſonnen und gefaßt, ahnte augenblicklich⸗ wie der Sieg in ihren Händen ſey, wie er benützt werden müſſe.Gottes Finger! ſagte ſie mit unglückverheißender Stimme, indem ſie ſchaudernd den Mantel über Heinrikens Hülle warf:Der Herr ſtand auf, und hat ſeine Sache gerichtet. Der Uebermuth dieſer Verblendeten forderte die Strafe heraus, die ſtets nur zögert, niemals ausbleibt. Mit ſeurigen Händen hat der Herr die Prahlerin gezüchtigt, uns zu belehren, und diejenigen zu warnen, die mit der Todten in gleichen Bahnen wandeln! Hier iſt nicht Zufall, hier iſt Gottes Schickung, und ein jäher Tod iſt kein ſeli⸗ ger. Faſſet Muth, Ihr, meine verfolgten unterdrückten Lämmer! an den frechen Dienerinnen kirchenräuberiſcher Gewalt hat des Herrn Zorn ein flammend Zeugniß gege⸗ ben. Denn ſie alle, Du Beate, mit dem ſüßlichen Ammen⸗ tone, und Du, Placida, mit dem Heiligenſcheine der Ge⸗ laſſenheit und Demuth Ihr ſeyd Heinrikens Schuld theilhaftig; Euch werde unſer Abſcheu, Euch werbde die ver⸗ viente Züchtigung. Wie kann eine neue Orvnung der Dinge ſegenreich ſeyn, da der Allmächtige ſie verwirft? was ſollen in unſerm armen Hauſe Sünderinnen, die den Blitz auf ihre Häupter lenken?

Dieſem Schlachtruf, dieſer Kampfforderung fielen eiligſt alle der Priorin verbündete Nonnen bei, und erhoben ein Zetergeſchrei, daß den fremden Schweſtern das Blut in den Avern erſtarrte. Die Bosheit, die bisher tückiſch und meu⸗ chelmörderiſch ihre Netze ſtellte, ihre Streiche führte, trat jetzo mit offnem Helme in das Feld. Einen mächtigen Bundesgenoſſen fand ſie an ihrer Seite: das fromme Ent⸗ ſetzen Beata's, Placida's, deren ſchwache Seelen jetzo mit Gewiſſenszweifeln härter kämpften, als mit der Trauer und den Thränen um die geſchiedene Freundin. War das ver⸗ hängnißvolle Feuerzeichen nicht wirklich des Himmels Zorn?

Nonne von Gnadenzell. M. 12