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ſchmetterte, daß die Säulen und Gruftiſteine ſich zu regen ſchienen, und die hohen Wände zitterten, wie ſchwankes Röhricht. Vor dem blutrothen Blitzſrahl, unter der Wucht des fürchterlichen Donnergebrülls waren die Nonnen laut⸗ los auf ihr Angeſicht geſtürzt, aber auch die Glocke war plötzlich ſtumm geworden, und entſeelt, unter dem wehen⸗ ven halbverſengten Glockenſeil lag die vom Feuerpfeil des Wetters getroffene Heinrike.
Als ob gerade nur dieſes unglückliche Opfer das Ziel der Grauſamkeit des wilden Hochgewitters geweſen wäre, ſchwiegen nun mit einemmale die Keulenſchläge des Don⸗ ners; ein dem Wolkenbruch zu vergleichender Regen troff zur durſtigen Erde nieder, und ringsum begrüßt von mat⸗ tem Wetterleuchten riß die Sonne die Schichten der Luft entzwei, daß ein heller blauer Dom ſich über der Alb, über der Gnadenzelle wölbte.
Ein tiefer Athemzug, wie nach verzweifeltem Siech⸗ thum, ſtieg aus der Bruſt der Nonnen, doch folgte der Geneſung von Angſt und Todesfurcht alſobald der Schrecken vor der Leiche der Geopferten. Selber vom Blitze getrof⸗ fen, ſtanden die Reformirſchweſtern neben dem todten Leibe ihrer Gefährtin; weinend warfen ſich Hailwig und Giſela über die geknickte Blüthe. Der Schmerz der einen war ſo ſtumm, die Trauer der andern ſo laut und gewaltig, daß ſelbſt die verſtockteſten Weiber des Convents eine Weile mit ſtarrem Auge, mit gepreßtem Herzen das jämmerliche Schau⸗ ſpiel betrachteten.— Aber— wie des Menſchen Seele iſt! Der gerettete Meerfahrer ſchmäht den Heiligen, dem er ſich in tiefen Nöthen verlobte; der Wüſtling bricht nach über⸗ ſtandnem Gebreſte die Gelübde, die er auf dem Schmerzen⸗ lager gethan; der Böſe, zitternd, während das Verder⸗ ben droht, frevelt auf's Neue, wann der blaue Himmel über ihm lacht.


