Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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brauchen, Deinen Bart zu ſcheeren, auf ein Roß zu ſitzen, Wehr und Waffe zu tragen, Zeugſchaft abzulegen, und ir⸗ gend ein Vorrecht des Adels deutſcher Nation zu üben; zugleich befehle ich Dir, daß Du die Schranken unverzüglich meideſt.

Scheter von Landſäß, welcher erſt bei dieſen Donner⸗ worten zur Beſinnung gekommen war, und mit Schrecken einſah, in welchen Abgrund der Schande ein Angenblick der Tovesfurcht ihn geſtürzt hatte, flehte nun mit Thränen der Verzweiflung um den Gnadenſtoß mit dem Schwerte, aber

Heerdegen drehte ihm den Rücken zu, und mehrere Büttel packten ihn bei den Schultern, ihn vom Kampfplatz und aus der Stadt zu führen. Der Aermſte mußte den Scher⸗ gen gehorchen, denn die Freunde, ſo mit ihm gekommen, wichen ſcheu von ihm zurück, weigerten ihm beſchämt jede Hülfe, und einer von ihnen ſchrie ihm mit dem Tone der Verachtung nach:O Du feiger, pflichtvergeſſener Edel⸗ mann! eben ſo gut wärſt Du an einer Flucht erſtochen worden, als Du jetzo Dich und uns mit Schmach be⸗ deckeſt! Darauf machten ſich alle Begleiter des Landſäß aus den Schranken davon, ritten ſtill und verdroſſen der Heimath zu.

Heerdegen, nachdem er des Landſäß Schwert vor dem Kampfrichter niedergelegt, und deſſen Wappen noch vor den Augen des Beſiegten umgeſtoßen, hielt wieder auf dem Plane, und rief den Harras zum Gefechte. Seiner unge⸗ ſchwächten Kraft bewußt, gedachte er mit dem Freiherrn bald auseinander zu kommen, aber mit Staunen ſah er dieſen höhniſch lachend hervortreten, einem Wächter die Wehrſtange aus den Händen nehmen, und damit dem Schilde des Sperberseck einen ſolchen Stoß verſetzen, daß in Stü⸗ cken zerſplittert zu Boden fiel. Ein wahrer Aufruhr ging los um die Schranken, ſchnaubend vor Wuth ſchwang