18
doch, ihr Frauen, die Suppe gerinnt und macht euch dann einen ſchlechten Magen, ſtatt dem nüchternen Convent wohl⸗ zuthun.“
Maulend nahmen die Gegnerinnen ibre Plätze ein, ſcherzend die jüngeren Nonnen, und die Priorin fragte: „Wo bleiben denn die andern?“—„Potz Jeruſalem! ich vergaß die Glocke zu zieben,“ verſetzte Mutter Anna und rief nach dem Schellenſtrang. Während ſie läutete, ſchlich eine blaſſe, ſchmächtige Geſtalt herein und ſetzte ſich ſtille an das Ende der Tafel. Das bleiche, zerſtörte Geſicht mit rothgeweinten Augen ſah wie der Mond aus der ſchwar⸗ zen Kappe, an das Skapulier hatte die Nonne eine Trauer⸗ ſchleife geſteckt, in einer Falte ihres Brufiſchleiers hing ein verwelkter Blumenſtrauß. Sie ſeufzte nur, als die Priorin mit einiger Theilnahme fragte:„Wie geht es Euch, Schweſter Agnes? Iſt des Kummers noch kein Ende?“ — Renata verſetzte mit wegwerfendem Tone:„So begreife ich doch nicht, wie einem Landſtreicher zu liebe Euere Anu⸗ gen überlaufen mögen, wie im Lenz die Brünnlein. Heinz war ein ſchmucker Bube, aber ein liederlicher Geſelle, der an keinem Taubenſchlag vorüberging, wo er zugreifen, und an keinem Mägdefenſterlein, wo er einſteigen mochte.“— „Gott verzeihe Euch die böſe Rede,“ ſchluchzte Agnes: „möge es Euch doch nie ergeben, wie mir geſchah. Ich weiß aber, daß mir jetzo, ſeit die in Pfullingen den armen Knaben verurtheilten, das Leben zur Laſt iſt, und ein Stein am Hals mir lieber wäre im Mühlenſtrudel.“— „Pfui doch, ſeyd Ihr eine Kloſterfrau?“ fragte die Priorin kalt.—„Der Vater hat's auf dem Gewiſſen, daß er mich in dieſes Haus ſtieß. Ich kann nicht helfen, darum laßt mich zufrieden, oder werft den erſten Stein auf mich, wenn Ihr's wagen dürft.“—„Welch unbeſonnene Reden!“ ſchalt die Priorin:„wenn fremde Ohren das hörten! Ich


