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Dieſe mir befiehlt, die doch um kein Haar beſſer iſt, als ihr?“—„So thut, was ich befehle und ſchweigt,“ ſagte die Priorin mit Härte, worauf Euſtachia ihren Groll be⸗ zwang, und nur mit funkelnden Augen der Kaſtnerin drohte, die ſich eifrig vernehmen ließ, wie Mutter Euſtachia längſt im Geruch der Dieberei ſtehe, alles verſchleppe, was in ihre Hände falle, vom ſilbernen Weihbrunnnapf bis zur ſchimmlichen Käsrinde, und wie ſie ohne Zweifel das ſchöne Leinenſtück entwendet und verlochet, was ihr, der Kaſtnerin gehöre.„Woher? Warum?“ fragte Richardis mit Strenge. —„Ich habe mir's erſpart.“—„Erſpart!“ rief Euſtachia und ſchlug ein gellendes Gelächter auf, daß ſich die Nonnen die Ohren zuhielten:„Seit wann erſpart ſich bei uns ar⸗ men Bettelnonnen die Schaffnerin etwas, wenn ſie's nicht dem Convent abſtiehlt? Kommt heran, wenn ihr die Wahr⸗ heit hören wollt. Schaut euere feinen Kleider an, und da⸗ gegen den geflickten Rock, den ich trage, vom rauheſten Wifling, wo Pletz auf Pletz ſitzt, daß bald nichts anders mehr als aufgeflickte Lappen daran ſind. Ich bin eine ge⸗ horſame Kloſterfrau, und kümmere mich nicht um euern unbußfertigen Wandel, aber es kömmt der Hochmuth vor dem Fall, und der Graf wird euch ſchon den rechten Mayen ſtecken.“
Dieſe Prophezeiung that ihre Wirkung, indem die Kaſt⸗ nerin ſchwieg, und an ihrem ſilbernen Biſamapfel roch, und Richardis die Saiten herabſtimmte.„Ei was, ei was, ſagte ſie begütigend:„vertragt euch doch, ihr thö⸗ richten Weiber. Ich will euch ſchon beide zufrieden ſtellen. Mutter Gertrud, ſchont das Alter, und Ihr, Mutter Eu⸗ ſtachia, ſchimpft nicht Euere Vorgeſetzte; in ſolch böſer Zeit der Wirrniß ſollen alle Zwiſte ab und todt ſeyn, daß wir vereint erſtarken mögen gegen den drohenden Feind.“— „Ach Jeſus!“ rief Mutter Anna dazwiſchen,„ſetzt uch
Nonne von Gnadenzell. II. 2


