Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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ſollte. Ein heftiger Lärm ſchallte ihnen daraus enigegen. Sie fanden die würdige Mutter Gertrude, die Schaffnerin, und Mutter Euſtachia, die älteſte und häßlichſte des Con⸗ vents, in grimmigem Hader und Wortſtreit. Gertrudens Geſicht war blutroth vor Zorn, wachsgelb dagegen vor Aerger das hexenartige Antlitz ihrer Gegnerin.Läugnet nur nicht, krummfingeriges Weib, daß Ihr das ſchöne Lei⸗ nenſtück entwendet und irgendwo verhamſtert habt! ſchrie die Schaffnerin in ſchlagfertiger Stellung. Euſtachia gei⸗ ferte dagegen ein Schmähwort nach dem andern aus dem zahnloſen Munde, und zeterte:Muß ich nicht alles gethan haben, was in dieſem Jammerthale geſchieht? nichtsnutzige Wirthſchafterin, wenn eine Diebin in dieſem frommen Got⸗ teshauſe lebt, ſo ſeyd Ihr's; ein Blutigel, der ſich an Alles hängt, ein Zeck, der ſich in alles mit ſeinen geizigen Schau⸗ feln einbeißt. Die Mutter aller Gnaden ſoll mir's ver⸗ zeihen, aber in der heidniſchen Stadt Sodom ging's nicht ſo abſcheulich her, wie zu Offenhauſen.Mein Linnen, ſag' ich, gebt es heraus, was Ihr geſtohlen! belferte die Schaffnerin und ſchwang den Schlüſſelbund gleich einem Wurfgeſchütz. Richardis fiel ihr in den Arm, Renata lachte wie toll, Medora hetzte an Euſtachia, deren blaue Lippen vor Wuth zitterten, aber unaufhörlich in Verwünſchungen überſprudelten.Mir dieſen Schimpf, Frau Kaftnerin? mir, der Aelteſten im Kloſter? trage ich nicht meinen Wei⸗ hel mit Ehren? Bin ich nicht, Gott ſey es geklagt, ein Exempel der Keuſchheitlin dieſem verdammlichen Babplon? Denkt zurück, Mutter Euſtachia, zwanzig Jahr zurück! ſpotteten die Nonnen einſtimmig, aber die Seniorin ließ ſich nicht irre machen, und fuhr fort:O ihr Sündenkinder, voll von Hohn und Uebermuth, wärt ihr nur der Buße theilhaftig, wie ich. Bin ich nicht ein Exempel der Demuth und des Gehorſams? Thue ich denn nicht blindlings, was