Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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möglich, namentlich in dieſer Zeit, wo es uns Noth thut, Gönner, Beſchützer und Freunde zu haben? Das nennt der boshafte Pöbel Schmäuſe halten, ein ärgerliches Leben führen. Und endlich: wenn wir die Metten nicht mehr halten zur Nachtzeit, nur ſelten den Chor ſingen, und den Gottesdienſt mindern, ſo geſchieht es nur auf Befehl des Pabſtes, der durch ſolch ſtummes Interdict die Trauer über den Verfall der Pfaffheit und die ungerechten Mißhand⸗ lungen der Kloſtergemeinden an den Tag legen will. Ach, meine Tochter, glaube ja nimmer der niederträchtigen Ver⸗ läumdung der Menſchen, verachte ſtets das liebloſe Urtheil der Welt, vertraue nur den Worten Deiner Mutter und gottgefälliger Prieſter.Ich will, ich gelobe, ant⸗ wortete Giſela und küßte inbrünſtig die Hand der Priorin. So gehe denn zurück in Deine Zelle, und bereite Dich vor in Faſten und Gebet, und in beſchaulicher Meditation eine ganze Woche lang, da ich Dir alsdann kund geben will, was ich und der Convent über Dich beſchließen. In Deiner Einſamkeit ſtärke Dich, daß wir die Vollmacht ha⸗ ben, zu löſen, was der Graf bindet, und wiederum zu bin⸗ den, was der G Möſen möchte.

Dieſe Rede ſchien der eifrigen Kloſterjüngerin ein Pfand des Heils, und darauf hoffend, wie auf den Segen der Sacramente, begab ſie ſich hinweg, die Dornenzeit der Prüfung anzutreten, wie ihr diejenige geboten, der ſie nun auf Erden die nächſte Gewalt über ſie einzuräumen begehrte. Die Priorin, nachdem Giſela mit geſenktem Haupte und zuſammengelegten Händen die Stube verlaſſen, ſah ihr lange nach, zuerſt mit Verwunderung, dann mit gerunzelter Stirne, dann mit höhniſch verzogenem Munde.Närriſches Geſchöpf! ſagte ſie verächtlich vor ſich hin, die ernſtere Stimme betä ubend, die in ihrer Bruſt für das Gotiver⸗ trauen der Jungfrau ſprach, und ſie ging zum Tiſche zurück,