Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Aufnahme verſagen müßte? Der würtemberger Graf, unſer geſtrenger Herr und harter Schirmvogt, iſt gegen uns er⸗ bittert, ohne daß wir arme Kloſterfrauen wüßten, warum. Schon hat er uns verboten, Novizen aufzunehmen, Schwe⸗ ſtern einzukleiden, und noch größere Gewaltthat droht uns ſein Zorn.So laßt mich im Kloſter dienen als eine Magd, bis die Zeit ſich freundlicher geſtaltet.Du ro⸗ deſt von einer ſchönen Zukunft, und wir hoffen nicht dar⸗ auf; es nahet der Welt Ende, das Schwert der Herren würgt die Knechte des allmächtigen Gottes. Unſer heiliger Vater zu Rom iſt fern, und ſieht mit weinenden Augen, wie Streich auf Streich die Chriſtenheit verdirbt. O Jam⸗ mer! was der Grimm der Gewaltigen noch übrig läßt, zerſtört des ruchloſen Volkes giftige Zunge. Da hilft nicht, daß wir einſam leben, uns hinter Riegeln und Mauern verbergen vor aller Welt: dennoch läſtert man uns, ver⸗ ſchreit uns im ganzen Lande, der Graf zu Urach begünſtigt dieſe ſchmählichen Gerüchte, und wir haben keine Waffen gegen ihn, als Sanftmuth und Geduld. Haſt Du nicht auf Deiner Pilgerfahrt ſolche Schandreden vernommen? Erzählt man nicht im Lande von unſern Schmauſereien, unſerm Wohlleben, von dem vernachläßigten Gottesdienſt zu Gnadenzell?Ich habe nichts davon gehört. Du Glückliche, zu deren Ohr das Ziſchen der Schlange nicht hinanreicht! Aber wahrlich, ſo verläſtert man uns. Den unſchuldigſten Anlaß, ja unſer Recht ſogar benützen die Teufel der Finſterniß, uns mit Geißeln zu ſchlagen. Was wären wir arme Mägde, angewieſen von Almoſen zu leben, ohne die Barmherzigkeit frommer Wohlthäter? wie natürlich, daß die freigebigen Seelen öfters in dieſem ſchlechten Hauſe zuſprechen, um zu ſehen, wie wir ihre Gaben verwenden? wie natürlich, daß wir alsdann ver⸗ ſuchen, ihren kurzen Aufenthalt ſo feſtlich zu begehen, als