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veeilt Ihr unſern Tod! kann denn nicht ein Wunder ge⸗ ſchehen? Ach, wenn der Graf um unſere Noth wüßte —„Die Peſt auf den Grafen und euere Noth!“ ſchnaubte Märten, ungeduldig losbrechend:„fahrt ab in die Hölle, Henker meines Sohns!“ WMit einem lauten Schrei fielen ſich die Unglücklichen in die Arme, vereint den Todesſtreich zu empfangen; aber eine hülfreiche Hand drängte das Meſ⸗ ſer des unverſöhnlichen Rächers zurück, und Lamparters Stimme ſchrie ihm in's Ohr!„Halt ein! jetzt erſt mordeſt Du Dein Fleiſch und Blut. Ich komme von Pfullingen, ich drang in Heinzens Kerker, habe ihn geſehen, wenn ich ihn auch nicht befreien konnte. Aber er lebt noch, iſt noch unverſehrt, und der Graf ſoll erſt über ſein Schickſal ent⸗ ſcheiden. Der Aermſte bittet Euch, mit blutiger Rache noch zu zögern, denn verloren wäre er rettungslos, wenn dieſe Männer ſtürben. Wenn nicht, ſo hofft er Milderung ſeines Schickſals von der Barmherzigkeit des Grafen.“—„Wer verläßt ſich auf des Würtembergers Gnade?“ fragte der Alte heftig, während die Genoſſen des Wildherrn jubelten, daß Heinzens Urtheil noch nicht vollzogen. Von neuer Le⸗ benshoffnung erfüllt und begeiſtert antwortete der Ehninger mit überfließender Zuverſicht:„O liebe Männer, o verza⸗ get nicht und ſchonet unſer; denn der Graf iſt ein Engel auf Erden, und wenn der liebe Gott ſtürbe, ſo verdiente uur der Vater Eberhard, die Welt zu regieren!“—„Laßt uns los, ſchenkt uns das Leben,“ ſetzte der Waldknecht hinzu,„und wir ſelber, die Beſtohlenen und Geſchlagenen, wollen barfuß und den Strick um den Hals, das Haupt mit Staub und Aſche beſtreut, vor dem Grafen betteln⸗ daß er dem Heinz den Kopf und die Glieder erhalte.“— „Damit er in ewigem Kerker verkümmere?“ fragte Mär⸗ ten mit düſterem Auge. Da redete Wildherr mit Ernſt zu


