Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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ner Stätte Wache haltet? Da lachte der eine von den Männern ſpöttiſch und verſetzte:Wir müſſen freilich wa⸗ chen, wenn der Graf auf ſeinem Schloſſe ſchläft. Gebietet er, ſo lang es Tag iſt, über's Land, ſo nehmen wir bei Nachtzeit uns die Mühe.Du biſt ein kecker Burſche, führeſt freventliche Reden.Und auf die Rede folgt die That, aufgeblaſener Herr, wenn Ihr nicht alſobald mit uns geht.Wohin?An einen Ort, wo Euch kein Leides widerfährt, wenn Ihr nicht etwa einer der Schelme ſeyd, denen wir auflauern, daß ſie uns nicht ent⸗ wiſchen.Ein Schelm! fragte der Jäger mit auf⸗ wallendem Zorn, beſänftigte ſich jedoch alſogleich, be⸗ ſchwichtigte mit Hand und Mund den treuen Feldmann, der den Wegelagerern an den Hals wollte, und fügte hinzu: Ihr ſeyd Dreie gegen Einen; da verfteht ſich's, daß ich folgen muß. Doch geſchieht's auf euere Gefahr, merkt euch das; und aus den Bäumen dieſes Waldes können viele Galgen gezimmert werden, denen ihr nicht übel anſtehen würdet, woferne ihr mir nur ein Härlein krümmtet. Poſſen und Prahlerei! höhneten die Kerle in den Bart, und führten ihren Gefangenen ſeitwärts in den Förſt, bald

in die Höhe, bald in die Tiefe, bis ſie nach geraumer Zeit

ein verſtecktes Hüttlein erreichten, aus deſſen Ritzen ein ſchwaches Licht in die Finſterniß ſtrahlte. Es ſchlug juſt Mitternacht auf dem fernen Lichtenſtein, als ſie an die Thüre pochten. Als die leichte Pforte, aus Baumzweigen geflochten, aufging, ergab es ſich, daß ſie nicht ſowohl eine Hütte, als vielmehr eine Kluft verſchloß, die weit in den Berg hineinlief, und wenig Schritte hinter ihrem Eingang Raums genug in die Höhe und Breite darbot, um ein paar Duzend Leute zu beherbergen. Eine ſchwache Leuchte erhellte dieſes Felſenloch nothdürftig, daß man auf zwet