Neuntes Kapitel.
„Liebe Herren, ich reiche nicht an Euere Fuͤrnehm⸗ „lichkeit und Euere Gewalt; aber ich danke Gott „fuͤr das, was er mir beſcheert hat, und kann ich, „ſo ich mich im dickſten Walde oder auf freiem Felde „in meinem Lande verirrte, ohne Furcht mein Haupt „in den Schvoß eines jeglichen meiner Unterthanen „legen, um zu ſchlafen.“ Herzog Eberhard aufdem Fuͤrſten⸗ tage zu Worms.
Der fremde Mann, den die Pförtnerin ſo ſchnöde von der Schwelle des Kloſters gewieſen, war nach kurzem Be⸗ ſinnen weiter gewandert, und von dem Wege nach Kohl⸗ ſtetten nicht abgewichen. Da er jedoch in das Dörflein ge⸗ kommen, und die niedrigen Hütten ſah, worinnen die müden
Albbauern bereits ſchliefen, wollte er nicht da verbleiben,
und ſagte zu ſich ſelber:„Iſt doch die Nacht ſo klar und rein, und ſcheint doch der Mond ſo hell, daß Berg und Pfad leichtlich zu ſehen iſt! Darum will ich fürbaß gehen, und bin dennoch am frühen Morgen daheim, und überraſche mein Weib, vas nicht ohne Sorgen ſeyn mag.“ Zetzt tummelte er ſich, die Wohnungen hinter ſich zu laſſen, wo vie Hunde knurrten, denen ſein Feldmann ungeſtüm ant⸗ wortete; und wie er draußen vor dem Oertlein ſtand, wo ſich ihm drei Pfade darboten, der eine gegen Ohnaſtetten, der zweite gen Holzelfingen und der dritte dem Honauer


