Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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gar fein klöſterlich herüber drang. Giſela verſtopfte ſich die Ohren, und der Sterndeuter ſtieg ſchwerfällig und albern wie ein Storch in der Küche auf und nieder, mit langem Halſe in jeden Topf guckend, und nach einer willkommenen Mahlzeit witternd aus den breiten Nüſtern. Der Schmaus ſollte jedoch mit einemmale ein Ende haben, denn im Re⸗ fektorium entſtand plötzlich ein eiliges Durcheinanderlaufen, und Mutter Anna rief in die Küche:Aufgepaßt, die Lich⸗ ter aus! nicht gemuckſt und nicht geſchwatzt! Des Grafen Leute und Gejaid kommen von den Bergen her, und im Hauſe muß es ſtill ſeyn, wie im Grab.

Dem geſchah alſo; als wie ausgeſtorbeu ſchwieg das Kloſter, weil die Bewohnerinnen deſſelben auf ſolche Fälle ſchon gerüſtet waren. Draußen tönte jedoch über Berg und Thal luſtiger Hörnerklang, der Hunde Gebell und das Hoho der Jägersleute. Es wurde zwar an die Thüre des Kloſters ſgeklopft, aber von innen nicht geantwortet, als wenn alle im tiefſten Schlafe lägen. So zogen die Jä⸗ ger baldigſt ab, und Giſela wußte nicht, ob das Gelage vielleicht wieder aufgenommen wurde, wo man es gelaſſen. Schon ruhte das arme Fräulein, von der theilnehmenden Crescenz beſorgt, auf hartem, aber reinlichem Lager in einer ſchmalen Zelle, und ergab ſich dem Schlummer, der die Ermüdete nach ſo vieler Mühſeligkeit wie ein Tröſter, wie ein ahnungsreicher Mittler zwiſchen Vergangenheit und Zukunft heimſuchte. So ſchlief die müde Jungfrau, ver⸗ ſperrt hinter ſtarken Riegeln, welche vor die Thüre zu ſchie⸗ ben die freundliche Crescenz ihr dringend angerathen hatte.