137
und nicht den Wein, verderbe mir am Honig den Magen, und wenn die Schlemmerei vorbei, ſo heißt es immer: Poppele, zahl aus“—„Wie das, Du ſeltſamer Bube?“ fragte Giſel mitleidig, und Poppele verſetzte:„Ach, du weißt ja nicht, daß ſie mir Alles genommen haben; ein Erbe, wie es der Pabſt nicht hat, viel weniger der Kaiſer.“ Mit dieſen Worten, die er voll Eifer und Lebendigkeit ge⸗ ſprochen, richtete er ſich kerzengerade wie eine Lanze auf, ſtreckte bie bleichen Arme weit von ſich, daß ſie einen gro⸗ ßen Kreis beſchrieben, und fuhr mit männlicherem Tone fort:„Was da herumliegt, liebe Kinder, alles gehört mein, iſt mein Erbtheil, und ſie haben mir's genommen, und mir von meinem großen Gute nichts gelaſſen, als die Steinbank in jener Blende, wo ich zur Nachtzeit. ſchlafe, wenn ich mich den Tag über in ihrem Dienſte müde gehetzt habe, obſchon ſie mir dienen müßten, dieſe geſchorenen Weiber, dieſe Elſtern, die mit ihren weißen Kleidern und ſchwarzen Schleppen auf den Gräbern meiner Vorfahren herumtrium⸗ phiren, und ſtündlich Gott den Herrn beleidigen.“ Poppele verſchränkte die Arme, betrachtete mit geheimnißvoller Wich⸗ tigkeit ſeine beiden Zuhörer, und ſetzte ſich wieder gelaſſen zur Erde, indem er ſagte:„Nun, ich will's noch nicht aus⸗ plauderu; ſie denken, daß es dauern werde bis zum Zwie⸗ beljahr meinetwegen. Habe ich nur erſt den vergra⸗ benen Schatz gefunden, ſo wird es bald zu Ende ſeyn mit den Baalsweibern; bis vahin will ich ihnen ſchön thun, und mich freuen, daß ſie nicht wiſſen, wo das Gold ver⸗ ſcharrt liegt, das mir gehört.“
Er lehnte ſich ſehr zufrieden an den Heerd und betrach⸗ tete ſeitwärts wie ein Falk jede Bewegung Giſelas, die alle Mühe hatte, ihre Thränen zurückzuhalten. Der fremde Pilger war indeſſen aufgeſtanden, und ſprach, mit vorge⸗ ſtrecktem Finger auf den Jüngling deutend:„Wahrlich,


