Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

136

daß vor Allem eine Thorheit iſt, die ſein Bischen Gehirn zu jeder Friſt beſchäftigt. Er bildet ſich nämlich ein.. doch, juſt höre ich die Glocke aus dem Refektorium. Die hochwürdigſte Frau ſammt dem Convent und den werthen Gäſten unſeres Hauſes wird bereits zu Tafel ſitzen.

Nun erſt ging das Toben in der Küche los; Geklirr, Geraſſel, Befehl und Geſchrei von allen Seiten. Die Keſ⸗ ſel wurden umgeſtürzt, die Braten vom Spieße genommen, die Schüſſeln gefüllt, zierlich geputzt mit wohlriechenden Kräutern und bunten Blumen. Dreimal wurde im Refek⸗ torium an den Dreher geklopft, der aus der Küche die Speiſen in den Eßſaal beförderte. Die Küchenmeiſterin watſchelte zur Tafel, um zu ſehen, ob alles ordentlich be⸗ ſchickt worden; die Geſellſchaft jenſeits des Drehers ſchien in der beſten Stimmung. Nicht die Stille einer klöſterli⸗ chen Mahlzeit herrſchte, wohl aber lautes Geplander, ſcherz⸗ haftes Lachen und eine bedeutende Eßluſt, wenn man die⸗ ſelbe nach dem ungeduldigen Klopfen, Rufen und Becher⸗ ſtampfen der Gäſte bemeſſen durfte. Endlich kam mehr Ruhe in das Getümmel, die Mahlzeit begann, die Schüſſeln waren aufgetragen, Crescenz und einige Mägde halfen der Küchenmeiſterin an der Thüre des Refektoriums das Ge⸗ ſchäft einer Kellnerin beſorgen, die übrigen Dienerinnen⸗ jetzo ihres Tagwerks müßig, lauerten am Dreher neugie⸗ rig der Tiſchreden; der Student Jakobus war hinüber ent⸗ boten worden, die Tafelgenoſſame mit Spiel und Geſang zu erheitern. Giſela befand ſich mit Poppele und dem frem⸗ den Pilgersmann allein. Die Flammen erloſchen, nur hie und da brannte eine Ampel, zweifelhafte Lichter fuhren über die Stirne des Alten, über Giſelas Geſtalt; im tiefen Dunkel ſaß Poppele zwiſchen beiden. Da erhob er nach langem Schweigen ſeine Stimme abermals und ſagte bitter: Das Alles nun bezahle ich, kann die Muſit nicht leiden,