134
zu enträthſeln war⸗ Ein dürftiges Kleid vom gröbſten Zeuge, hie und da lächerlich mit Kälberſchwänzen verbrämt, bedeckte ihn; ſeine Füße waren bloß, nackt ſeine Arme, ge⸗ vückt ſein Gang, wie der eines an Tritt und Schlag ge⸗ wöhnten Hundes.„Geſchwind! ſpute Dich, Du lahmer Poßler,“ drohten die Mägde, und die Laienſchweſter, mit einer Hand den Bratſpieß regierend, erwiſchte mit der an⸗ dern einen Ochſenziemer, vor deſſen Anblick der arme Pop⸗ pele ſich zuſammenduckte, gleichwie auf allen Vieren zur Thüre hinaushuſchte, und bald darnach, wenn auch müh⸗ ſelig ſchnaufend, eine unbändige Laſt Brennholz in die Küche ſchleppte, und vor dem Herde niederwarf. Ein ſchallendes Gelächter belohnte ſeine Anſtrengung; ein Stück Roggen⸗ brod flog aus der Hand der Küchenmeiſterin in den Schooß des Armen, der begierig kauend zu Giſela's Füßen ſich auf die Steine niederhockte. Das erſchrockene Fräulein wollte ſeinen Schemel wegrücken, aber Poppele hielt Giſela feſt am Kleide, und ſagte mit ſchnarrender, faſt kindiſcher Stimme:„Bleibt nur, fromme Schweſter Hailwig, Ihr ſtört mich nicht. Ich muß ja lleiden, daß Ihr um mich ſeyd.“—„Was der Bube wieder ſchwatzt!“ ſagte Mutter Anna, die mit untergeſtemmten Armen vor ihn hintrat: „Thut er doch mit Euch, als wärt Ihr ſeine alte Be⸗ tannte.“—„Und er hat Recht, noch obendrein,“ verſetzte Crescenz, die Laienſchweſter, nach einem langen Blick auf Giſela:„wenn man ſich die Jungfer aus dem Bauernkleide in den Kloſterſchleier denkt, ſollte man ſieben Eide darauf ſchwören, die gute Mutter Hailwig ſäße vor uns am Herde.“ Wie ihm Chore ſtimmten die übrigen Weiber mit ein, und wunderten ſich und meinten, es ſey nicht anders.„Die gute Mutter Hailwig, die arme Mutter Hailwig!“ ging die Rede flüſternd und bedauernd in die Runde, aber Pop⸗ pele ſagte vertraut unv herablaſſend zu Giſela hinauf„in⸗


