Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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Studenten, der nach dem Pater Vicarius verlangte, ihre beſcheidene Bitte, eingelaſſen zu werden, vereinigte.Ge⸗ duld, verſetzte die Pförtnerin, und ging mit dem Briefe in das Kloſter zurück. Der Jäger murmelte ungeduldig einige Worte vor ſich hin, und lehnte ſich an die Pfeiler des Vorſprungs mit verſchränkten Armen, hinaufſchauend zum monderleuchteten Himmel. Neugierig ſchielte Giſela nach ihm, und war betroffen von dem ernſten Ausdruck, welcher auf dieſem Geſichte lag. Es war eines von denen, die zum Befehlen geſchaffen ſind, mit hoher Stirne, derben Augenbraunen über glänzenden Blicken, und muthig vor⸗ ſtrebender Naſe. Ein dunkler Bart beſchattete ſo Wangen, als Kinn und Lippen des Unbekannten. Ein grünes Hüt⸗ lein mit funkelnder Spange und kurzem Federſtrauß bedeckte das langlockigte Haupt, und ſein Gewand von blaßgrüner Farbe, ſchmal mit Gold verbrämt, ließ auf keinen gewöhn⸗ lichen Jägersmann ſchlieben. Im Uebrigen hatte die Ge⸗ ſtalt nichts Ausgezeichnetes, war nicht beſonders groß, nicht beſonders kräftig, und dennoch ſchien's, als ob der Mann ſich um die ganze Welt nicht kümmere, und mit eben ſo kaltem Blute einem Rieſen gebieten würde, wie dem ſchlan⸗ ken Rüden, der ſich zu ſeinen Füßen ſchmiegte. Giſela hätte gewünſcht, in dieſem Augenblicke ein Mann zu ſeyn, um mit dem Fremden reden zu dürfen. Indeſſen kehrte die Pförtnerin zurück, ſchloß die Pforte auf, und ſagte etwas freundlicher:Herein, Du fremde Magd, herein, geiſtlicher Knabe, denn für Euch iſt eine Herberge im Klo⸗ ſter bereit. Als die Erwählten nun mit frohem Muth über die Schwelle geſchritten waren, ſchob die Schweſter die Thüre wieder zu, und fragte durch das Gitter den draußen gebliebenen Jäger:Wer ſeyd Ihr? kommt Ihr mit Em⸗ pfehl?Bin verirrt, bitte um Gafffreundlichkeit; habe kein Empfehl, weil ich ſtockfremd bin im Gebirge.So Nonne von Gnadenzell. I. 9