vet Euch ein wenig, lieber Junker, ich halte mich mit dem Bengel nicht allzulang auf.“
Auch Götz verließ die Kammer, und Heerdegen war mit dem Mädchen allein. Giſela beſchäftigte ſich, ihm den Rücken zuwendend, des Vaters Tafel abzuräumen; Heer⸗ degen, von Leidenſchaft entflammt, faßte ſich ein Herz, und umſchlang die Dirne zärtlich. Giſela drängte ihn zurück, und maß ihn wieder mit dem befremdeten Blicke, der ihn am Morgen ſchon außer Faſſung gebracht hatte, ſo daß er nur halblaut ſtammeln konnte:„Euer Liebreiz ſollte für das Kloſter geſchaffen ſeyn, o Giſela?“—„Das Kloſter liebe ich, Eure Schmeichelei haſſe ich,“ verſetzte das Mäd⸗ chen ernſthaft und kalt.—„Ach, warum muß ich gerade Euch verhaßt ſeyn?“—„Ei, warum ſollte ich gerade Euch lieben, den ich nicht kenne, dem ich nicht traue?“— „Euere Zukunft könnte ſo heiter ſeyn, und ſomit auch die meinige.“—„Ihr ſprecht wie ein Freiersmann.“—„Nun, und wenn ich's wäre?“—„Sagt dann Eurer Braut die Schönheiten, die Ihr hier zu Markte bringt.“—„Und wenn Ihr dieſe Braut wäret?“—„Ihr lügt gottvergeſſen.“ —„Giſela!“—„Ein reicher vornehmer Mann wie Ihr, ſollte ſich ſchämen, einer armen Dirne zu ſpotten.“— „Was muß ich thun, meine Aufrichtigkeit zu beweiſen?“ — Das Mädchen lächelte verächtlich, und antwortete mit durchdringendem Blicke:„Geht hin, und werdet ſo arm wie ich. Dann kommt wieder, und holt meine Antwort.“ — Der Junker war betreten oh dieſer unerwarteten Rede, und betrachtete verlegen den ſchweren Siegelring an ſeinem Finger. Giſela ſchaute ihn noch einen Augenblick mit ſpöt⸗ tiſchem Mitleid an, zuckte hierauf die Achſeln, und ſagte, ſich abwendend:„Euch wird gewiß nicht wohl, lieber Herr?“
Heerdegen hätte um keinen Preis der Welt ein Wort enigegnen können, und freute ſich, als die Eltern wieder


