doch dieſes Geld meinem müden Haupte ein ſanftes Sterbe⸗ kiſſen, und meinem armen Töchterlein eine Verſorgung, wäre ſie auch noch ſo ſchmal!“—„Wo iſt die Dirne?“ fragte Götz, den ſchweren Beutel mit Wohlgefallen in der Hand wiegend:„was hat das Mägdlein ſo lange im Stall zu ſchaffen? Geißlin, wo ſteckſt Du? Komm herein, und danke dieſem Herrn für ſeine Gabe, für ſeinen wackeren Ritterdienſt!“
Die Mutter klopfte an der Holzwand des Gemaches, und kurz darauf trat die Tochter herein. Dem Junker ver⸗ gingen ſchier die Augen, als er ſeine ſchöne Kirchennachba⸗ rin vor ſich ſah, an einem Orte, wo er ſie am wenigſten vermuthet hatte. Der fremde Beſuch überraſchte auch das Mädchen nicht wenig, und es ſchien einen Augenblick, als wolle die Marmorbläſſe ſeines Angeſichts in Roſenröthe un⸗ tergehen. Die Bewegung dauerte jedoch nicht lange, und Giſela fragte mit ſchüchterner Stimme, aber unbefangen, was die Mutter befehle.—„Hier iſt ein wackerer Edel⸗ mann, der unſer Leid in Freude verkehren, uns aufhelfen will,“ ſprach die Mutter mit inniger Rührung:„vielleicht kann es ſich machen, daß Du im Kloſter aufgenommen wirſt, wenn Dein Vater mir erlaubt, einen Theil dieſes Geldes zu Deiner Ausſtattung zu verwenden.“— Heerde⸗ gen betrachtete das Mädchen aufmerkſam, und erſchrack bei⸗ nahe, als in Giſela's Augen ein Strahl der Freude auf⸗ ging, und das ſchöne Kind ſich mit gefalteten Händen zu dem Vater wendete. Götz nickte brummig mit dem Kopfe, und verſetzte:„Meinethalben, meinetwegen, damit nur Plage und Unfriede aus dem Hauſe komme. Geißlin ſehnt ſich ſchon ſeit langem nach dem Gotteshauſe, und meine Grete möchte gern das arme Schaf vor dem Verführer in Sicherheit bringen.“—„Vor dem Verführer?“ fragte Heerdegen, Giſela unverwandt anſtarrend, während das


