Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

bei dieſer Rede blutroth, und verſetzte, nachdem er getrun⸗ ken:So ſtrafe mich Gott, wenn ich je des Unglücks ſpot⸗ ten könnte. Erheitert Eure Züge, edle Frau, denn ich bin hier, um Eure Bedrängniß zu erleichtern. Die Frau ſeufzte tief, als traue ſie dem Junker nicht gar viel, und dieſer fuhr fort:Setzt Euch zu uns, wir wollen bekann⸗ ter werden; theilt mit uns die Mahlzeit, womit Euer Gatte dieſen Tag feiert. Die Frau verzog mit bitterer Weh⸗ muth den Mund, und antwortete:Ihr kennt unſere Haus⸗ ordnung nicht, ſonſt wüßtet Ihr, daß die Leckerbiſſen, wo⸗ mit mein Herr in unſerer bittern Armuth dann und wann ſein Herz erfreut, nur für ihn beſtimmt ſind, und nicht an uns kommen. In Gottes Namen auch, wir machen uns nichts daraus, weil wir ſchon vergnügt ſind, wenn er nur Friede gibt mit ſeinen ewigen Klagen, womit er Tag und Nacht verbringt, obſchon er ſelbſt die Urſache unſerer Schmach iſt.

Götz trommelte ſtörriſch mit dem Meſſer auf dem Tiſch; da er jedoch bemerkte, mit welchem Mitleiden Heerdegen das arme Weib betrachtete, ſtimmte er den Ton fein heuch⸗ leriſch und ſanft, und ſagte:Nun, Grete, ſo arg iſt es wohl nicht. Der Himmel iſt's, der uns mit Hunger ſtraft, weil wir vordem zu viel geſchmauſet; ich theile aber revlich jeden Biſſen mit Euch, und kann nichts dafür, wenn Ihr Euch hartnäckig alle Freud' verſaget. Es iſt ein Kreuz, Herr Junker, um den Eheſtand. Das Weib war ganz ehrlich und fein, ſo lange wir im Glücke ſaßen, ſeither iſt es verſtockt geworden, und hat auch die Kinder mit ſeinem Staarſinn angeſteckt.Eure Kinder? wo ſind ſie? Mein Kind, wollt' ich ſagen, entgegnete Götz mit mür⸗ riſchem Geſicht.

Ach, Du Rabenvater! rief Grete mit erhobenen Hän⸗ den und Thränen in den Augen:willſt Du denn ewig