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Die nackte Armuth hatte ihr Hoflager in der beräucherten Kammer aufgeſchlagen, das Tageslicht ſchämte ſich, durch die ſchmutzigen Hornfenſter hereinzuleuchten; graue Dämme⸗ rung lag über allen Gegenſtänden. Als das Auge ſich an dieſe Dunkelheit gewöhnt hatte, unterſchied Heerdegen einen Schemel, worauf eine alte Frau ſaß, die Hände müde in den Schoß gelegt, und dann einen groben Tiſch, hinter welchem Götz mit Behaglichkeit thronte, und ein verlegenes „Willkommen“ ſtammelte.— Der Alte hatte den Beſuch ſeines Freundes ſo frühe nicht erwartet, ſonſt hätte er ſich ſchwerlich an dem Schmauſe erwiſchen laſſen, wobei ihn der verwunderte Heerdegen antraf. In irdener Schüſſel zwar, aber feiſt und wohlriechend, mit duftendem Salbei und Peterſilienkraut beſtreut, ſtand eine große Lamprete vor dem alten Schwelger; daneben eine hölzerne Kanne, woraus lieblicher Weingeruch drang. Der Bart des alten Bachenſtein triefte von Fett und edelm Rebenſaft; in der Hand des Eſſers blinkte das Meſſer, womit er den Fiſch bereits übel zugerichtet hatte.„Sieh da,“ ſprach der Jun⸗ ker lächelnd:„Ihr laßt's Euch ſchmecken, und verzehrt gol⸗ dene Kerne in ſchmutziger Nußſchale““— Dagegen ſagte Götz mit ſchnell gewonnener Seelenruhe:„Ei, mein Freund und Junkerlein, was konnte ich Beſſeres thun, als von Euerer erſten Freigebigkeit auf Eure Geſundheit zu zehren? Ich hab's von jeher ſo gehalten, und wenn Ihr's ehrlich meint, ſo thut Ihr mir freundlich Beſcheid aus dieſem yöl⸗ zernen Kruge.“—„Warum nicht?“ entgegnete der Jun⸗ ker:„erlaubt jedoch, daß Euer Weib, die evle Frau von Bachenſtein, mir den Trunk kredenze.“
Die Frau des alten Ritters erhob ſich langſam, ſchlich nach dem Kruge, nippte einen Tropfen und reichte ihn dem Junker mit den Worten:„Gebe Gott, daß Ihr unſere Schande nicht verachtet, edler Herr.“ Der Junker wurde


