Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Ach Vaͤterlein, mich hungert ſehr!

Was thut's? gib mir den Becher her.

Ach, Vater mein, ſieh' meine Noth!

Was thut's? hab' ich nur Zuckerbrod.

Ach, bin ich nicht Dein einzig Kind?

Der Storch trug Dich durch Nacht und Wind

und wenn mein armes Herzlein bricht e

Nach Deinem Herzlein frag' ich nicht. Volkslied.

Leerdegen beſchloß, den alten Götz aufzuſuchen, füllte den Beutel an ſeinem Gürtel, daß er ſtraff von Sonnen⸗ ronen herabhing, und wandelte fürbaß aus der Herberge. In der langen Gaſſe begegnete ihm ein abenteuerlicher Zug. Muſikanten voraus, in wunderlicher Tracht, auf magern Pferden, paukend, ſchalmeiend, umtobt von jauchzenden Gaſſenbuben; hinterdrein ein poſſenhafter Herold, wie er in großen Städten zur Faftnachtzeit die Larvenſpiele ver⸗ kündete. Der trug an einer Stange eine große Fahne mit wunderlichen Figuren, und ſchrie an allen Ecken aus, daß alſogleich nach der Vesper der große egyptiſche Künſtler, ein Abkömmling der Herzöge aus dem Morgenlande, auf dem Wieſenplan der Schießſtätte ſein Spiel anheben werde, beſtehend aus Kunſtſtücken, wie ſie ein menſchlich Auge noch nie geſehen. So werde er auf ſeine Stirne einen Balken ſetzen, und denſelben im Gleichgewicht halten, wie einen