Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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untere Tafeleck, von den übrigen Edelleuten und den ſchnat⸗ ternden Weibern durch eine Schaar ſchwarzröckiger Chor⸗ herren getrennt, die lateiniſch redeten, und das Gold ihres Stiſters, welches dieſer einſt von dem Schweiß ſeiner ar⸗ men Leute gewonnen, aus vollen Bechern tranken. Noch überdies ſchmetterte die gellende Muſik das geſammte Ge⸗ ſpräch zu einem unverſtändlichen Gemurmel nieder, und Heerdegen konnte ungeſtört den weiſen Lehren des Landſäß lauſchen, welcher alſo begann:Zuvörderſt erfahre, wie das Weibsvolk abſonderlich von Gott dem Herrn gemacht iſt worden, um Freud und Leid in die Welt zu bringen. Damit ſich aber ein Jeder von ſolcher Creatur nehme, was er ſelber will denn eitel Trug iſt ſowohl die Luſt, als auch das Weh, ſo uns die Weiber bereiten hat der Him⸗ mel zugegeben, daß die Eva ein Räthſel ſey, und ein ſym⸗ boliſch Ding, das mehr durch Zeichen redet als durch Worte, und ſchwerer zu ergründen iſt, als der Bodenſee an ſeinen tieſſten Stellen. Traue daher nie der Zunge eines Weibes, denn ſeine Worte ſind falſch, und ſo Du mit dem Weibe redeſt, merke fein auf ſeine Geberde. Das Mündlein hat Eva in ihrer Gewalt, aber nicht ſo ganz des Leibes Be⸗ wegung, daß nicht ein kluger Mann aus ihrem zerſchied⸗ lichen Thun entnehmen könnte, was er zu erwarten habe.

Der Anfang Deiner Weisheit iſt breit und lang, mein Freund, bemerkte Heerdegen etwas zerſtreut. Land⸗ ſäß füllte indeſſen die Becher, und trank dem Genoſſen mit den Worten zu:Ueberwinde immerhin Deine Ungeduld. Das Beſte findet ſich oft in der Neige. Vor Allem traue nicht dem Frauenbild, das unbeweglich ſteht oder ſitzt, wann Du ihm den Hof machſt, und nur die Augen regt, während die Glieder ruhen. Solch Frauenbild iſt einem Waſſerweib⸗ chen zu vergleichen, das mit den grünen Augen blitzt und lockt, indeß der Fiſchleib unter'm Waſſer aufrecht ſteht, um