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wo die Straße nach der Iburg aufwärts zieht, und die ſchlechten Häuslein an dem Oosbach ſtehen; jenſeits des Stegs, von der Straße ſeitwärts, links hinter dem Ge⸗ ſtrüpp, wo drei Birken ragen, iſt meine Hütte. Geht durch die rothe Thür ein, die kleinere daneben führt zu meiner Ziege. Doch könnt Ihr nicht fehlen, denn weiter hinaus ſieht nur noch eine Hütte, und darinnen wohnt der Hirt.“
„Recht; ich werde kommen, heute Abend noch. Ihr bietet mir ein ſeltſam Schauſpiel, wie ich noch keins ge⸗ ſehen, und was juſt das Mitleid nicht vermöchte, verdankt Ihr meiner Neugierde. Ruft aber jetzo meinen Lutz herein, daß er mich ankleide, denn es will ſich nicht geziemen, daß der Junker ſich von ritterlichen Händen ſolch ſchlechten Dienſt erweiſen laſſe.“
„Ihr ſeyd ein Mann nach dem Herzen Gottes,“ ſchmun⸗ zelte Götz behaglich:„der heilige Jörg ſende Euch in den Stunden der Trübſal einen Freund und Nothhelfer, wie Ihr mir zu werden begehrt.“— Der Junker ſtrich ſich ver⸗ drießlich den Bart, und rief mit ärgerlicher Geberde:
„Fliege hinaus, Du ſchwarzer unglückkrächzender Rabe.
Was ſchwatzeſt Du von Trübſal? Ziehe ab, das Leid kömmt immer zeitig genug.“
Götz entfernte ſich, Lutz erſchien und verrichtete ſeinen Dienſt, putzte ſeinen Junker wieder fein heraus, ſalbte ſeine Haare mit wohlriechendem Oel, wand das Kränzlein um ſeinen Arm, wie man den Prieſter ſchmückt, der ſeine erſte Meſſe geleſen, und geleitete ihn aus der ſchwülen Kammer in wie kühle Laube, wo von fröhlichen Gäſten der Ball geſchlagen, von emſigen Dienern die Tafel gerüſtet wurde, woran man ſich zu jener Zeit gar frühe niederzu⸗ laſſen pflegte. Die ſogenannte Laube war ein langer und breiter Gang, quer über den Eingang zum Garten gebaut, von ſtarken Pfeilern getragen, mit leichten Schindeln ge⸗
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