Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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ſo könnte auch der Eurige ausreißen, und es wäre Schade um Euch.

Mein ebler Herr, verſetzte der Junker mit höhniſch aufgeworfenem Munde:beliebt auf Euern Weg zu ſchauen, und nicht auf den meinigen. Was ich vom Vater erbte und unter Herzog Carls ſtolzen Fahnen eroberte, iſt nicht ſo leicht verpraßt, wenn ich's auch toll anfinge, ſo wie Ihr, und endlich ſeht, noch bin ich keine dreißig Jahre endlich macht eine reiche Braut wieder Alles gut. Ich bin ein rüſtiger Kriegsmann, geize nicht mit meinen Freuden, fürchte mich nicht vor einem Leid; wie's auch kommt, ich ſchlage mich durch, und will Euch gebeten haben, eine kleine Erleichterung Eurer Noth von einem ebenbürti⸗ gen Landsmann anzunehmen.

Nach kurzem Bedenken antwortete Götz mit Achſelzucken: Ei nun, beim heiligen Kreuz, ich habe viel verſchenkt in meinem Leben, und ſchäme mich jetzo nicht, ein Geſchenk dagegen anzunehmen. Die Armuth, Junker Sperberseck, macht eine freche Stirne, und meine Hand krümmt ſich un⸗ willkürlich, wenn ich nur von Geld höre, ſintemalen ich keinen Pfenning beſitze, wenn mir das Badgeld fehl geht. Ich denke, daß Ihr einen Edelmann nicht mit einer Bettel⸗ zehrung abſpeiſen wollet, und Euer Gold ſteht meinem Säckel ſo gut an, als dem Kaſten eines Schenkwirths, oder eines Juden, oder einer feilen Dirne, voder eines wort⸗ brüchigen Borgers. Beſucht mich, wenn Ihr wiſſen wollt, wie es mir geht. Hier im Baldreit möchte unſere Ver⸗ traulichkeit die Leute wundern; in meiner Hütte können wir reden, wie uns der Schnabel gewachſen iſt.

Nach Euerm Gutdünken, edler Herr, lächelte der

Junker: wo find' ich Euer ritterliches Haus, daß ich meine Lehenspflicht vor Euerm Stuhle abtrage? Götz verſetzte:Wandelt nur getroſt zum Thor hinaus,