14
wunderliche Geſchichte, wie Ihr einſt die Stadt Hall von den zudringlichen Forderungen ihrer gräflichen Nachbarn be⸗ freitet. Die Herren waren auf dem Rathhauſe, und ver⸗ langten unerhörte Dinge. Da ließet Ihr in Euerm Hofe, den man vom Rathhauſe überſchauen konnte, von Euern Dienern ein Paar tauſend Goldſtücke in einem großen Siebe waſchen, putzen und an der Sonne trocknen. Darob den Herren die Augen übergingen, und ſie meinten, daß nichts mit einer Stadt anzufangen ſey, deren Bürger ſo viel Gold beſäßen, daß es ſich ſchimmlich läge in den Kellern; und ſie zogen unverrichteter Sache ab.“
Götz ſeufzte tief, und meinte, damals ſey eine ſchöne
Zeit geweſen, und die Sache verhielte ſich nicht anders. Aber Heerdegen redete immer weiter:„In Euerm Hauſe wurde es jedoch bald anders, weil Euer Schornſtein dampfte von früh bis ſpät, weil Ihr mit Euren Genoſſen ſchwelgtet vom Morgen zum Abend; und als Ihr Euch auf Dettingen ſetztet, ging der Greuel noch ärger als zuvor. Ein Chor⸗ herr von Stuttgart wurde Euer Schaffner, und was er Euch nicht geradezu aus dem Sacke ſtahl, verpraßte er in Hechtlebern, Pfauenhirn und Lerchenzungen, bis endlich Alles fort war und Ihr ſelbſt hinterdrein gehen und Euer Vaterland mit dem Rücken anſehen mußtet, ohne daß man bisher erfahren, wohin Ihr mit Sack und Pack, mit Weib und Kind gekommen wäret.“
„Ach, wie pfeift Ihr doch ſo voll und fein das Lied vom faulen Praſſer Bachenſtein!“ ſeufzte der alte Götz; „ſeht aber zu, daß nicht gleiches Schickſal Euch im Alter erwarte. Euch iſt das Turnier auch lieber als die Meß, angenehmer das Frauenhaus als Gotteshaus, und das vermaledeite Geld iſt rund und läuft, als wär's vom Teu⸗ fel beſeſſen, durch alle Welt, wenn man's einmal flügge gegeben. So wie mein Reichthum durch das Sieb g gefallen,


