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hat mir's noch nicht zerſchlagen; wohl aber habe ich's ſelbſt gethan, weil ich ſteinreich geweſen und bettelarm geworden, weil der Bettelſack ſich nicht mit einem Wappen verträgt, und weil es eine Schande wäre, den Ritterhelm auf dem Kopfe, den Reibeſchwamm zu führen.“ Er ſchwieg, und auf's Neue floßen Thränen aus ſeinen Augen, aber Heer⸗ degen fragte zweifelhaft:„Brauchſt Du vielleicht Nieß⸗ wurz, armer Geſell?“ Darauf weinte der Andere noch heftiger und ſchluchzte:„Hätte man mir es nur vor zwan⸗ zig Jahren eingegeben, wie einem Rüden, der an der Sucht leidet, wie einem Mondſüchtigen, der in der Nacht auf den Dächern wandelt, wie einem hirnverrückten Kerl, den die Sonne geſtochen! Die Sucht der Hoffart machte mich ſchwin⸗ deln, keine Begierde war mir zu hoch, die Natter der Toll⸗ heit hat mich geſtochen. Ich weiß nicht recht, wie ich dazu komme, daß ich Euch mein Leid aufdecke, aber Ihr habt ſo ein ehrlich Geſicht, ſeyd mein Landsmann, da Ihr zu Hall ein Haus habt, ein alter Edelmann wie ich, und vom Teufel der Luſt und Verſchwendung beſeſſen, wie ich es einſt geweſen. Darum mag mein kläglich Beiſpiel Euch nützen, und wenn Ihr anders zu Hall bekannt ſepd, ſo wißt Ihr ſchon meine ganze Geſchichte, indem ich Euch ſage, daß ich Götz von Bachenſtein heiße.“
Heerdegen ſetzte ſich hoch auf, und fragte betroffen: „Wie? der alte Götz, deſſen Leichtſinn und Ueppigkeit ein Sprüchwort im Lande iſt? Von dem ſchon meine Mutter mir erzählte, als von einem Muſter nichtsnutzigen Lebens⸗ wandels?“
Götz nickte verdrießlich und zerknirſcht; der Junker fuhr fort:„Kaum glaube ich meinen Augen, was ſie ſehen, meinen Ohren, was ſie hören. Ihr wart der reichſte Mann, ſo weit die ſchwäbiſche Zunge reicht. Ihr konntet das Geld in Scheffeln meſſen, und von Euch erzählt man ſich die


