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eigen Haus beſitzt, iſt er wohl gelitten.— Lutz war im Zuge, den längſt auswendig gelernten und oft wieder⸗ holten Spruch zum Ende zu bringen, als er plötzlich be⸗ merkte, wie ſeines Zuhörers Wangen und Stirne feuerroth wurden, und dicke Zähren aus ſeinen Augen floßen. Der Mann hatte die Hände gefaltet, und beugte trübſelig den Kopf zur Erde.— Deßhalb hielt Lutz verwundert inne, und ſprang zu ſeinem Herrn in die Kammer, weil dieſer juſt klopfte, die Frühftückſuppe verlangend.
Der Badewärter trocknete ſeine Thränen, lief zur Küche, und brachte ungeſäumt die Weinſuppe, verſetzt mit kräftigen Kräutern und mit trefflich geröſtetem Brode.—„Gott ſegne es,“ ſprach er kurz und gepreßt, indem er das Süpp⸗ lein dem im Bade ſitzenden Junker reichte.— Lutz ſtand vor der Thüre, und da ſolche wohl verſchloſſen, der Junker auch ſchon durch ſeinen Diener von dem ſeltſamen Betragen des Badeknechts unterrichtet war, ſo fragte er denſelben: „Was haſt Du auf dem Herzen, Alter? Deine Augen ſind roth unterlaufen, als hätteſt Du geweint, und Deine Lip⸗ pen hängen ſchlaff wie die des Pfaffen am Charfreitage?“ — Lange wollte der Badeknecht nicht antworten, bis er endlich verſetzte:„Ach, Landsmann, es betrübt mich, daß es Euch wohl geht, und mir ſo übel.“—„Wieder eine feine Schwabenrede!“ lachte Heerdegen:„womit habe ich verdient, daß Du mit mir aus einer Schüſſel eſſen willſt? Weißt Du, daß ſolche Unverſchämtheit mich höchlich juckt und ärgert?“— Der Wärter zog ſich einen Schritt von dem Badekaſten zurück, und ſagte mit trotzigem Scherz: „Ei was, wär' ich nicht unverſchämt, wie wäre ich ein Edelmann?“— Als der Junker ihn mit offenem Munde anſtarrte, fuhr er mit barſcher Vertraulichkeit fort:„Ei ja, glotzt mich nur an, mein Freund und Landsmann⸗ Ich hatte ein Wappen, ſo gut wie Ihr, und der Henker


