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und Stiefel abziehen ließ, ſah er dem Badwärter ſteif in's Geſicht, und ſagte halb verwundert und halb lachend:„Wie ich an Deiner Grobheit und Deinem breiten Maule ab⸗ nehme, ſo biſt Du mein Landsmann, ungeſchliffener Ge⸗ ſell.“—„Ich bin ein ächter Schwabe, Herr,“ erwiederte der Andere trotzig.—„Das ſehe ich,“ ſprach hierauf wieder der Junker, und wies ihm die Thüre. Zu ſeinem Lutz, während des Auskleidens, fuhr er indeſſen fort:„Du magſt dem Burſchen die Ohren tüchtig reiben, und ihm melden, daß er ſeine ungeſchlachte Vertraulichkeit weglaſſe, wenn er bei mir zu thun hat. Ein Schwabe ſollte doch mit vierzig Jahren klug geworden ſeyn, und ſich in die Leute ſchicken können. Gib ihm zugleich dieſe Paar Gulden, und mache ihn mit meiner Freigebigkeit bekannt.“
Der Knecht richtete die Botſchaft aus. Sobald er ſei⸗ nen Herrn allein gelaſſen, begegnete er dem Badewärter, und brummte ihm zu:„Du! ſey nicht mehr ſo grob gegen meinen Herrn. So wie er die Höflichkeit mit Silber be⸗ zahlt, ſo lohnt er die Strolchen mit Ohrfeigen ab. Vor der Hand will er Dein ungewaſchenes Maul für ein ge⸗ waſchenes anſehen, und ſchickt Dir dieſes Geld.“— Der Badknecht ſchob die Gulden in die Taſche, und meinte: „Ich weiß jetzt, mit wem ich zu thun habe, und will ſchon artig ſeyn, wenn Dein Herr mich nicht anſchnanzt. Wer iſt er aber, daß er ſo vornehm thut?“
Lutz machte große Augen, blies die Backen gewaltig auf, und verſetzte mit vielem Hochmuth:„Mein Herr iſt der Junker Heerdegen von Sperberseck, ſein Stammhaus ſteht unfern von Kirchheim an der Teck, viel Hab' und
Gut hat er ererbt und in Burgund erworben, und nimmt's
mit Jedem auf in Schimpf und Ernſt. In ganz Schwaben gibt es kein ehrlicher Geſchlecht als ſeines, und ſowohl von Fürſten als von Städten, namentlich zu Hall, wo er ein


