Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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Ihr von mir, mein Herr, und wie mögt Ihr wagen, Eure Zudringlichkeit auf meinen Weg zu ſtellen?

Dagegen ſchämte ſich der Junker, und ſchwor ſich heim⸗ lich, aber theuer zu, daß er nicht ruhen wolle, bis die ſtrenge gleichgültige Dirne ihm zu Liebe gelebt denn noch war ihm keine, weder in dem reichen Burgund, noch in den Gauen ſeines deutſchen Vaterlandes vorgekommen, die nicht mindeſtens mit einem günſtigen Blick, oft wohl auch mit ſüßerem Solde, ſeine herablaſſende Freundlichkeit erwiedert hätte. Zerſtreut ſchloß er ſich an die Schaar ſeiner Her⸗ berggenoſſen, und wandelte mit denſelben hängenden Kopfes

den Hügel hinab zum Baldreit, wo eine Bande von Stoß⸗

pfeifern und Zinkeniſten den Gäſten luſtig entgegentrompe⸗ tete, und die Wirthin der Herberge einem jeden ein duf⸗ tiges Kränzlein reichte, nebſt einem Blumenſtrauß, damit ihm das erſte Bad wohl gedeihe in aller Heiligen Namen. Unter dem Schalle der Muſik gingen die Fremden nach ihren Badekammern, wo ihre Diener, wie auch die Knechte und Mägde der Herberge, ſie abermals mit Glückwünſchen bewillkommten.

Laßt die Schalkspoſſen! ſagte der gelbhaarige Junker zu ſeinem Knechte Lutz und zu dem dicken glatzköpſigen Badwärter, der ihm die Thüre zu ſeinem Badkaſten öffnete. Wenn der Himmel es haben will, daß mein Fuß wieder geneſe, ſo thut er's auch ohne ſolch heidniſch Geplärre. Wie Ihr befehlt, edler Herr! entgegnete der Wärter mit ziemlicher Unhöflichkeit:ſteigt alſo in Gottesnamen in das Bad! es iſt nach der Vorſchrift abgekühlt, die Tücher hängen über jener Stange, und ſo es Euch beliebt, Euch abtrocknen, mit dem Schwamme reiben, oder mit dem Frühſtück bedienen zu laſſen, ſo klopft nur an den Kaſten; ich bin bei der Hand.

Während der Junker ſich von dem Knechte Lutz Sporen