Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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betraf, ſo wurden ſie mit Geld gebüßt, das entweder den Heiligen oder den Armen oder dem Frevelgericht anheim ſiel.

Dieſe Verordnungen, ſtreng und rauh und gewaltig, wurden von den ältern Anweſenden mit Aufmerkſamkeit und Ehrfurcht angehört, die jüngern Männer dagegen lächelten, verzogen ſpöttiſch den Mund, zuckten die Achſeln, und flüſterten ſich leichtfertige Anmerkungen in die Ohren. Sie wußten wohl, wie des Geſetzes Drohungen meiſtens nur tönende Schellen waren, wie für den Edelmann nicht leicht ein Beil geſchliffen oder ein Schwert geſchärft wor⸗ den, wie der Richter vor einem Wappenhelm gewöhnlich mehr Scheu verrieth, als vor dem Vergehen eines Wap⸗ penbelehnten, wie die Grauſamkeit der Strafen ſchon bei⸗ nahe die Strafloſigkeit verbürgte. Unter den lächelnden ſorgloſen Junkern ſtach beſonders einer hervor, roth von Wangen, gelb von Haaren, mit ſtarken gedrungenen Glie⸗ dern und kühn geſtutztem Bart, der ein Bild der Geſund⸗ heit hätte genannt werden können, wäre nicht ſein linker Fuß etwas hinkend und des heilſamen Bades bedürftig ge⸗ weſen. Seine Kleidung zeugte von Reichthum, auf ſeiner Bruſt funkelte ein koſtbares Geſchmeide mit dem goldnen Bildniß des tapfern Herzogs von Burgund, dem der Junker gedient bis zu ſeiner letzten Stunde, von dem er gehofft, den Ritterſchlag zu erhalten, welcher Hoffnung der Tod indeſſen bei Nanch ein betrübtes Ende gemacht. Der Wirth zum Baldreit, der unter dem Volke ſtand, rühmte ſich, den goldlockigen Junker in ſeinem Hauſe zu beherber⸗ gen, pries ſeine Luſtigkeit, ſeinen Hang zur Verſchwendung, ſeine Keckheit beim Würfelſpiel, ſeine Ausdauer beim Zech⸗ gelage. Er deutete mit dem Finger auf drei oder vier junge Edelherren, welche ſchläfrig umherſaßen, und die alle in verwichener Nacht von dem gelbhaarigen Junker beim