Teil eines Werkes 
2. Band (1830)
Entstehung
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einmal maͤchtig, eine Verlaſſene unter barbari⸗ ſchen Wilden. Sie traͤgt viele Jahre hindurch ihr Ungluͤck, waͤhrend der falſche Mann daheim ein Cenotaph errichtet, fuͤr die an der Meeres⸗ kuͤſte von den Wellen verſchlungene Frau. Endlich brechen ihr die Ketten. Der Kaſtellan ſtirbt. Seine Magd, ſtumm, aber ein Herz im Buſen tragend, befreit die Gefangene, die Nichts mit ſich in die Freiheit nimmt, als eine Violine des Amati, ein Inſtrument, das einſt das Maͤdchen ſpielen lernen mußte, um die Ihrigen zu ernaͤhren, das ihr einziger Troſt in harter Gefangenſchaft geblieben war, das dazu dienen ſoll, ihr Leben ferner kuͤmmerlich zu friſten. Sie durchzieht Italien, ſie betritt deutſchen Boden; ſie ſieht die Graͤnzen des Fuͤr⸗ ſtenthums, deſſen Regent ſie elend gemacht. Ach, ſie will nicht dahin zuruͤck kehren, nicht einmal ihren Sohn ſehen, ob auch ihr Herz blutet. Ihr Geiſt ſieht ſchon neue Kerker offen, und die Furcht, wie die Schaam, als Virtuv⸗ ſin da ihr Brod gewinnen zu muͤſſen, wo ſie