Teil eines Werkes 
53. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 3. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

220

opfer Zions; der Vater will Zeugniß geben wider die Heiden, und Zions Schätze ſollen nicht gemindert werden. Sechzigfältig ſollen die Körner tragen und Erndte geben; die Stürme werden Roſendüfte wehen; des Himmels Re⸗ gen wird Balſam ſeyn. Geht hin auf eure Pforten, ihr Herzoge der Welt, geht hin zu euern Weibern, ihr Reichs⸗ verweſer, Stadtvogt und Schatzmeiſter! Schlaft heute, und laßt euer müdes Volk, bis auf die nöthigſten Wächter, des Schlafs genießen; deun heute ſchlummert ein Engel des Herrn über der Stadt, und deckt ſie mit ſeinen wei⸗ ßen Flügeln zu. Der Feind zittert dagegen hinter ſeinen Lagerwällen, denn Zion hat ſich mit Schrecken gehar⸗ niſcht. Morgen werde ich den ganzen Umfang der Gnade, die uns der Vater beſcheert, verkündigen dürfen.

Die Herzoge und Großwürdner des Reichs küßten des huldvollen Königs Hand und begaben ſich mit ſchwe⸗ ren Köpfen von dannen, um des Monarchen Gebot buch⸗ ſtäblich zu erfüllen, und ſich dem Schlummer ſorglos hin zugeben. Er ſollte ihnen, auf des Königs Verheißung hin, um ſo erquickender ſeyn, als ſie ſchon lange dem Schlaf entſagt hatten, ihre Poſten zu huten, und ihre ausgemergelte Mannſchaft munter zu erhalten.

Auf den Wällen lief aber zur ſelben Stunde ein Mann umher, und rief, wie das Geſpenſt auf den Mauern Zions, von dem Joſephus erzählt:Wehe, wehe Dir, Jeruſalem! Die Gewappneten reckten zwar ihre Oh⸗ ren, und fragten:Was ſchreit der Mann, was will er? Doch war die Mattigkeit der Meiſten ſo groß, daß ſie, während ſie fragten, die Stirne an ihre Spieße neigten, und alſo entſchliefen. Die Wenigen mit offnen Augen verſtopften dagegen ihre Ohren. Sie hatten ſeit einer langen Zeit des Geſchrei's viel und mehr gehoͤrt, als ihnen lieb geweſen.

Da nun der Unglücksprophet merkte, daß er nur der Wüſte predige, ſchritt er in die Stadt hernieder, aber in