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Frau weiß von meinen Angelegenheiten mehr, als Ihr und ich.“
Mengersheim überflog noch einmal die Fremde mit Blicken, denen die ihrigen nicht Stand hielten, und be⸗ merkte nachdrücklich:„Es laufen viel wunderliche Gerüchte von dieſem Fräulein in Schloß und Stadt umher; ich will mich beſcheiden; ich verſtehe von Wundern nichts. Ich halte mich an die Begebenheiten, die ſich unter meinen Augen zutragen, und achte als ein großes Unglück die⸗ jenige, deren Zeuge ich heute ſeyn ſoll. Gnädiger Herr! Ihr habt befohlen, ſo biele hundert wackere Soldaten unglücklich, ehrlos, zu Leichen zu machen; das iſt eine Gräuelthat, Ew. Gnaden.“
Das Antliß des Fürſten verzog ſich gehäſſig.„Wißt Ihr wohl, zu wem Ihr redet?“ fragte er auflodernd. Mengersheim antwortete kühn:„Zu dem Biſchof von Münſter und Osnabrück, deſſen Hofrath zu ſeyn ich mich ſchämen würde, wenn mir nicht erlaubt wäre, ihm die Wahrheit zu ſagen. Ich habe geſchworen, meinem Lan— desherrn mit Rath und That ſtets hold zu ſeyn, und nimmermehr vom Pfad der Rechtſchaffenheit mich zu ent⸗ fernen. Ich bin meinem Eide getren, und nicht weniger Euch, gnädiger Herr, indem ich rathe, eine Streckens⸗ handlung zu unterlaſſen, die Euern Namen mit Schmach bedecken würde. Was haben jene armen, verblendeten Kriegsknechte anders gethan, als gerade nur den Befehlen ihrer Hauptleute gehorcht? Iſt es ihre Schuld, wenn dieſe Anführer meineidig geweſen? O, ſtrafet nicht den kriegeriſchen Gehorſam, da die wahren Urheber des Uebels Euerm Zorn eutflohen ſind. Würdigt Ener Unglück nicht durch ſolchen Blutfrevel herab. Stolz und Gieich⸗ muth adeln das Mißgeſchick, während Feigheit es lächerlich preis gibt und grauſame Wuth es verächtlich macht. Das Ende jener Verurtheilten beſchleunigt nicht Euern Sieg; Ihr werft noch nicht mit ihren zerſtuͤckelten Gliedern die


