Teil eines Werkes 
53. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 3. Band (1840)
Entstehung
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Haſt Du nichts von einem gefangenen Edelknaben ge⸗ hört? ſein Name iſt Chriſtoph, und...

Du redeſt von Deinem Sohne. Er ſchickt Dir ſeinen Gruß, und dieſe Gabe: ein Pfand ſeines Lebens und ſeiner Zuverſicht. Sie reichte dem Biſchof eine Haar⸗ locke.

Bei meiner Seele! das iſt vom Golde ſeines Haupts! rief der Graf voll Entzücken, die Locke emporhebend. Aber ſchnell ließ er ſie wieder ſinken, und ſeufzte ſchmerzlich: Sage mir die Wahrbeit, Du Rächſelhafte: Haſt Du nicht etwa von ſeinem todten Scheitel dieſe Gabe gepflückt?2

Die Fran lächelte, und erwiederte:Du kennſt den Tod nicht. Er bricht alle Ringe und ſtreckt die krauſeſten Locken. Sieh dagegen dieſe, friſch und gelb, geringelt wie eine Schlange. Nein, fürſtlicher Herr; Dein Sohn lebt und ſeufzt, das Du ihn erretteſt.

Das will ich, bei meiner Ehre ſchwör' ich's. Du gibſt mir neue Hoffnung, neues Leben, unbekannte Freundin, und Dein Lohn ſoll überſchwenglich ſeyn, wenn Du zum Siege führſt.

Ich kenne nur einen Lohn, wonach ich geize: Deine Gunſt. Der üͤberraſchende, durchbohrende Blick des Weibes entzündete das erregte Herz des Fürſten. Sein Blick fragte entgegen:Verſteh ich Dich? während ſein Mund in Zerſtrenung ſagte:Fordre Alles von Deinem Herrn. Er wird Dein Freund ſeyn.

Die Fran betrachtete ihn mit wunderſamer Bewegung. Sie athmete unrubig, ſie wechſelte die Farbe..

Wie nenne ich Dich? begann wieder der Biſchof mit Theilnahme.

»Nenne mich Maria, verſetzte das Weib, und ließ mit ihren Angen nicht von dem Grafen ab, ſo daß er wie ein Gebannter nicht ausweichen konnte, und gleichſam demüthig fragte:Was ſuchſt Du aus meinem Geſicht zu leſen, Maria 2