Teil eines Werkes 
53. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 3. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Zuvörderſt antwortete ein tiefes Schweigen dieſer Frage. Waldeck wiederholte ſie heftiger. Da erwiederte ihm Stedingk mannlich:Ihr habt mich feig geſcholten, Herr Biſchof, und zwei Verräther geprieſen. Aber der Feige ſteht Euch noch zur Seite, während Münſter, der Verräther, geſtern zur Abendzeit in die rebelliſche Stadt entfloh, während Beltz, der Pflichtvergeſſene, in der Nocht mit ſeinen Meißnern abzog, um gewiß nicht minder zum Feinde überzugehen.

Der Biſchof wurde feuerroth, und forſchte mit eiligen Blicken in den Geſichtern der übrigen Befehlshaber. Eines Jeden Antlitz und Kopfbewegung beſtätigte die Ausſage Stedingks.Die Meineidigen! rief der Fürſt tiefbewegt:Iſt nichts geſchehen, um die Leute zur Pflicht zurückzuführen 26

Sobald ich vernommen hatte, daß die Meißner ihr Lager verließen, nahm Uberſtein das Wort,und die Richtung nach der Gegend von Sendenhorſt einſchlügen, habe ich dem Rittmeiſter Berndt von Weſterholt den Befehl gegeben, mit ſeinen Reitern ihnen nachzujagen. Viele Freiwillige, unter ihnen die tapfern Vettern von Recke, haben ſich dem Zuge angeſchloſſen. Ich habe ihnen geboten, die Rädelsführer augenblicklich nach Kriegsbrauch zu beſtrafen. Ich erwarte jede Stunde Botſchaft von dem Ausgange der Unglücksgeſchichte.

Nach einer langen Stille hob der Graf von Waldeck an:So hat denn der unbegrefliiche Fluch, der auf meinem guten Rechte ruht, auch die Gemüther Derjenigen benebelt und verwirrt, denen ich die Rettung meiner Würde zu⸗ nächſt anvertraute? Wahrlich: der eiſernſte Wille hielte kaum Stand gegen die hölliſchen Kunſtgriffe, die alle meine Entwürfe zu Schanden machen. Eine Handvoll Ketzer ſpottet meiner in meiner eignen Hauptſtadt; ich mache mich zum Bettler, um ſie zu bezwingen, und nicht einmal mein Gold iſt mächtig genug, mir die Treue