Teil eines Werkes 
53. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 3. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sie wußten nur zu gut, was die beſchönigenden Worte nicht ohne Erfolg bedeuteten. Die Flatterminen der Wiedertäufer tödteten immer ſehr viele Leute, die, in Folge eines trügeriſchen Ausfalls, fechtend bis an die Mauern der Stadt gelockt wurden.

Meine Büchſenmeiſter verſtehen nichtszürnte der Bi⸗ ſchof:längſt hätten ſie den meineidigen Ketzern Verderben für Verderben beſcheert, längſt die Schanzen geſprengt, ſo wie Jene unſere Schaaren zerfetzen und verbrennen.

Stedingk zupfte unmuthig an ſeinem Schnauzbart, erwiedernd:Ew. fürſtliche Gnaden weiß nur nicht, daß ſchon die verſtändigſten Geſchützmeiſter vor dem Feind geblieben ſind, indem ſie ſuchten, ihm das Verderben wett zu machen. Die Münſtrer haben Schützen, die ihren Mann nie fehlen. Die Namen des einäugigen Tylan, des frechen Bernhard Burtorp, der täglich aus den Thoren geht, und nie heimkommt, ohne einige unſerer Fußknechte in den Sand geblaſen zu haben, des Johann Nochleus, der mit ſeiner Bande, von den Nußbäumen am Horſterthor herab, erlegt, was ihm vor das Rohr kömmt, dieſe Namen ſind bei uns wohl vekannt worden, bekannt und gefürchtet. Der Soldat glaubt mit Erlaubniß zu reden daß der Böſe den Ketzern ſeinen Beiſtand verleihe. Der Soldat will nicht mehr anbeißen, weil ſein Kriegsherr nicht in Perſon an der Spitze ſteht, und weil keine Beute zu hoffen iſt; wohl aber Rad und Strang, hätte der arme Schlucker auch nur ein Ferkel geſtohlen, um nicht zu verhungern.

Sitte und Gehorſam muß ſeyn! fuhr der Bi⸗ ſchof empor:ich weiß, was mich Eurer Leute Zügelloſig⸗ keit gekoſtet hat. Ihr bedient Euch einer ſeltſamen Sprache, Stedingk. Redet feiner, aber ſchlagt gröber drein. Ich kenne Euch nicht mehr; ich werde mich an Andere wenden müſſen. Wo iſt der tapfre Albrecht Veltz, wo der erfahrene und ſchnelle Gerhard Münſter 2