Teil eines Werkes 
53. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 3. Band (1840)
Entstehung
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daß Ketzer, die auf's Aeußerſte gebracht, vorgeblich und lügenhaft, oder mürbe gemacht durch Folter, Kerker und ſchlechte Koſt, einen Widerruf geleiſtet haben, um ihr Leben zu friſten. Aber die böſe Natur kehrt immer wieder; und wenn auch die Reue wahr, wenn daher auch die prieſterliche Losſprechung kräftig, wo ſteht geſchrieben, daß ein Verbrecher deshalb zu begnadigen wäre? Iſt nicht eine Vorſchrift im Gegentheil, daß jeder Todeskandidat zu unterrichten, mit Gott zu verſöhnen ſey, bevor er ſeine Strafe leidet? Iſt ein Urtheil wie dieſes nicht eigentlich ein Exempel für Andere, und hat nicht der Gerichtete nach dem Schmerz eines Angenblicks die Ewigkeit himm⸗ liſcher Vergebung und Freuden zu erwarten?

Ihr vergeßt das Fegfener, Herr Doktor, ſprach Sibing ſpöttiſch, und wendete ſich an den Fürſten mit der letzten, treuherzigen Bitte um Gnade für den armen Hermann Ramers.

Waldeck ſchüttelte den Kopf.Fiat justitia! fügte er der Geberde hinzu.

Dieſe Gerechtigkeit, o Herr, bringt nicht Roſen, aber bittre Früchte, bemerkte der Prieſter mit Sanft⸗ muth:Es iſt meine Pflicht, Euch zu ſagen, daß die Ketzerbrände die Flammen des Aufruhrs verſtärken,. daß der Tod des Syndikus Wyk, den der Henker unver⸗ ſehens vom Schachſpiel zum Block ſchleppte, aller Orten Betrübniß und Abſcheu erweckt hat. Der in Wuth ge⸗ peitſchte Hund iſt der gefährlichſte.

Der Biſchof betrachtete den Cuſtos gleichſam mitleidig und zuckte die Achſeln. Der Kanzler benützte die Ge⸗ legenheit, dem Letztern begreiflich zu machen, daß er ſeine Befugniſſe überſchreite.Der Schuſter bleibe bei ſeinem Leiſten, ſagte er:der Pfaff wolle nicht regieren.

Iſt nicht in dieſem Lande eben der Herr und der Biſchof ein und derſelbe Mann? fragte Sibing trocken:Der Prieſter iſt hier das Holz, woraus die