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Sie, die den Sturm in ein wildüppiges Zauberweib um⸗ geſchaffen, die den Wehruf des Uhu's in Geſpenſterſtimmen verwandelt, die bald den trotzigen Luther einen Teufels⸗ banner genannt, bald den drohenden Papſt als ein Molochbild geſchildert; die von den lebenden Fürſten Mährchen murmelte, nicht weniger ſeltſam als die Ueber⸗ lieferungen von den todten Kaiſern und Herzogen;— ſie ſchlug auf in Flammen, da ihr, wie vom Himmel gefallen, die Kunde wurde, daß zu Muͤnſter ein neuer König auf dem goldnen Stuhle Platz genommen; ein König, der ſich einen Regenten der Welt nenne, und ſeinem Scepter die Unterwerfung aller Reiche der Erde prophezeie.
Die göttliche Berufung, die der neue Herrſcher vorgab, erhohte in den Augen der fernen Völker die glänzenden Farben des Blendwerks. Die deutſche Ration liebte, für Gottes und des Glaubens Ehre in den Kampf zu gehen. Darum erſchütterten die Manifeſte und die Sagen, die von Münſter ausliefen, weit und breit den deutſchen Boden. Es war ein gefeſſelter Rieſe, der ſich ungeberdig wälzte, um aus ſeinem Grabe hervorzubrechen.
Zwar wurden dem Hünen allenthalben die Ketten enger um die gewaltigen Gilieder geſchuürt, aber die Blicke aller Deutſchen ſtarrten nach dem kleinen Münſter, wie nach einem plößlich aufgeriſſenen Paradies oder Zauberland. Hatte der Heiland, hatte der Satan dort ſeinen Thron erbaut? Saß der Sieg oder das Verderben auf Münſters Zinnen? Die Zukunft mußte es lehren.— Aber die Tage gingen dahin ohne Entſcheidung. Die auserwählte Stadt, von einer Handooll muthiger Leute vertheidigt, lag unberührt und unbeſiegt in der Mitte gewaltiger Heereskräfte die ſich nicht mehr an ihre Mauern wagten. Puſber und Geſchütz ſchwamm den Rhein herab, den Rhein hinauf, um die Belagerer auszu⸗ rüſten; Söldner zogen ab und auf, das Heer immer zu


