188
„Die Schuld, ſo Du dem Kämmerer abtragen woll⸗ teſt. entſinneſt Du Dich nicht?“.
„Wär' mein Gedächtniß in meiner Krankheit ſchwach geworden, ſo beweiſe mir's. Zeig' auf die Schrift, die ich Dir gegeben.“
„Welche Schrift?“
„Nun, die Verſchreibung, meine Unterſchrift, das Beweisthum, daß ich geliehen habe, von Dir geliehen. Du wirſt als ächter Kaufmaun nicht ohne Pfand und Handfeſte Dein Geld verleihen?“
„Jeho verſtehe ich Dich, Bruder. Ich ſche, daß Du biſt von bitterer Galle, und verknüpft mit Ungerechtigkeit. So hab' ich hier nichts zu thun, als den Staub von meinen Schuhen zu ſchütteln. Ich vergebe Dir.“
„Du biſt ſehr freigebig mit Deiner Verzeibung und Gnade, Peter Bluſt.— Wil ich jedoch eine Gunſt von Dir 2 Sind nicht Gerichte in der Stadt Leyden? Iſt nicht der Eid vorhanden, um Herz und Nieren zu prü⸗ fen? Ich erwarte Dich mit feſtem Fuße in den Schran⸗ ken des Rechts.“
Betrübt ſchüttelte Bluſt ſein Haupt, verſetzend:„Die Zeit iſt wahrlich um, da nichts mehr heilig iſt auf Er— den. Aber die Liebe hört nimmer auf, und mit ihr bleibt das Vertrauen ewiglich. Schickeſt Du mich gleich arm und hungrig von hinnen⸗— ſiehe, ich bin reicher als Du, und bitte Gott, daß Dir vergeben werde die Tücke Deines Herzens. Für mich wird der Vater ſorgen.“
Er ging, ohne länger zu ſäumen, hinweg. Draußen ſiel ihm Miekje weinend zu Füßen, und bat ihn, daß er von ihr annehme, was ihr Gatte ihm ſchmählich abge⸗ ſchworen. Er aber wies ſie ſtrenge von ſich, ſagend: „Weiche von mir, o Weib, und thue Buße mit Deinem Manne. Für mich wird der Vater ſorgen.“
Da er unten durch die Leute wandelte, kam oft zu


