von dem armen Mann gefaſelt wird. Ich glaub's nicht. Der Meiſter liebte ſtets die freien Kunſte und die edle Poeterei. Die Muſen ſind es aber, welche die Sitten mildern und nicht zulaſſen, daß ſie grauſam ausarten.“
„Ihr ſeyd noch jung, lieber Herr, und träumet nur von Roſen ohne Dornen.— Stocfiſch!“ ſegte Straa⸗ tener leiſe hinzu. Indeſſen hatte ihn der Student trotz ſeines Sträubens bis zu den drei Häringen gezogen, und redete die Wirthin an, die ihn ſchnell erkannte und freund⸗ lichſt begrüßte. Er zeigte auf den ſcheelſehenden Ober⸗ meiſter, ſagend:„Der gute Freund hier benutzt die Ge⸗ legenheit, Euch ſeine Dienſte nachbarlichſt anzutragen, liebe Frau; nicht weniger Eurem Manne, als deſſen Zunftmeiſter ihm verbunden und gewogen.“
Miekje verneigte ſich und verſetzte ſpitzig:„Wir haben den Meiſter lange nicht bei uns geſchen. Glaubt mir, Herr Rynald.“
„In Gedanken war ich ſtets bei Euch,“ antwortete Straatener mit bösartiger Beziehung. Ebenſo fraate ihn Miekje weiter:„Ihr werdet wohl der Sorge viel um Eure Lieben zu Harlem gehabt haben? Es geht Mat⸗ thieſens ſchlecht, wie's heißt 2“
Erroͤthend erwiederte Straatener:„Ei unn, ich danke Euch. Es geht aber Vielen noch ſchlechter, und fege Jeder nur vor ſeiner Thüre.“
Miekje überhörte mit Fleiß, fortfahrend:„Die gute Diwara; ſie that mir immer leid, daß ſie an den ver⸗ drießlichen Bäcker hat fallen müſſen. Das liebe Geſchöpf! Wir waren ſo zu ſagen Jugendgefährtinnen.“
„So zu ſagen, Fran Bockelſon. Denn, wenn ich nicht irre, war mein Kind um vieles jünger als Ihr. Diwara's Loos iſt noch nicht das beklagenswertheſte, ge⸗ wiß nicht, liebe Frau. Wenn auch Matthieſen in ſeinem Handwerke den Krebsgang einſchlug, ſo war's doch nicht


