Teil eines Werkes 
51. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 1. Band (1840)
Entstehung
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unter die der Herr nach und nach unſer Lehngut zerſtü⸗ ckelte, ſo blieb mir wenig Hoffnung, mich im Lande ehr⸗ lich durchzubringen. Ich wanderte daher nach Holland aus, um einer Herrſchaft meine Dienſte anzubieten. Hier ſah mich Dein Vater, nnd lobte meine Schönheit, und ſchwor mir zu, er könne ohne mich nicht leben. Ich ſchwankte lange; endlich wurde mir ſonnenklar zu Sinne, daß ich um eines höheren Zweckes willen nach Holland gekommen ſey, und daß ich meinem Schickſale mich über⸗ laſſen ſolle. Ich merkte nicht viel Glück im Hintergrunde; aber dennoch mußte ich meine Beſtimmung erfüllen. Der Schultheiß ſetzte mich in's Dorf Zweer, und ich ſollte daſelbſt in aller Stille meine Niederkunft erwarten. Ich war ganz fremd im Dorfe, ſprach das Holländiſche ſehr ſchlecht, und konnte mich mit Niemand recht unterhalten, als mit der Urſula Schomacker, einer alten Frau, die in der Gemeinde die Dienſte einer Wehmutter verrichtete, und deutſch ſprach, wiewohl ziemlich übel. Dieſes Weib beſaß nach dem Dafürhalten Aller, die ſie kannten, die Gabe der Weiſſagung in hohem Grade. Dabei war ſie eine Halbgelehrte, die von ihrem Sohne, einem Magiſter zu Haarlem, manche Brocken von geheimer Wiſſenſchaft und Auslegung der heiligen Schrift aufgeſchnappt hatte. Eine Feindin der Pfaffen, wiewohl ihr eigener Sohn ein Mönch, gab ſie eine treffliche Vorläuferin der verwirrten heutigen Zeit ab, wo das Licht mit der Finſterniß auf Tod und Leben ſtreitet. Sie betheuerte immer, die Worte der Schrift müßten erfüllt werden, und mit einer Glau⸗ bensverbeſſerung, die ſich dazumal ſchon ankündigte, ſey es nicht gethan und abgemacht. Es müſſe eine ganz neue Ordnung der Dinge anheben, ein neues Iſrael mit einem neuen Tempel und Jeruſulem. Als ſie mich ſchon halb zu ihrem Glauben bekehrt hatte, kam ſie eines Tages außer ſich zu mir, und rief mit der höchſten Freude: Höret, was ich Euch ſage, Adelheid. So wie der Mond