Teil eines Werkes 
51. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 1. Band (1840)
Entstehung
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an Diederichs Mähle, die ſeit geſtern keinen Flegel regt! brummte Straatener in des Schiffers Ohr.Mit dieſem Geſellen mußtet Ihr freilich luſtig ſegeln gegen Sturm und Wellen.

Hazenbrooker befühlte zart den Sammt an des Frem⸗ den Kleide, und ſprach, ſcheinbar ohne Falſch:Der Rock ſizt Euch ſo eng, mein Herr, als ob er nicht auf Enern Leib gemacht wäre? Oder iſt das die neueſte Londoner Tracht?

Die neueſte, Herr. Der Narr mag ſſch jedoch die Jacke weiter machen laſſen nach Belieben; ſie gefällt ihm doch.

Hazenbrooker prallte zurück. Seine funkelnden Blicke verriethen wachſenden Grimm. Seine breiten Schultern meſſend, blinzte Jan etwas verlegen mit den Angen, und fragte alsdann, ſein Zagen zu bemänteln, die Wirthin leiſe:Wer iſt der kecke Tropf, der in Euerm Hanſe dieſe Sprache führt? Miekje blieb ihm, von Hazenbrookers Eiferſucht bewacht, die Antwort ſchuldig. Dafür nahm Straatener das Geſpräch auf, fragend:Ihr wollt Euch anſiedeln, Jan, in Eurer Heimath Euch ſetzen? Potz! ſagt mir doch, wo Eure Heimath iſt? Kamt Ihr doch als eine Art don Findelkind durch Fürſprache des ſeligen Herrn Rektors aus dem Kloſter in meine Lehre. Hat's mich doch Mühe gekoſtet, Euch als Jan Janſen auf die Gilderodel zu bringen, wie Ihr wohl wißt, denn die Zunft verſteht nicht Spaß, wenn ſich's um eine ehrliche Geburt handelt?

Jan's Stirne runzelte ſich gefährlich, ſein Mund be⸗ wegte ſich krampfhaft, ſeine Angen, früher ſo feucht, ſo locker, ſo angelernt von lüſternem Trieb und von Begehr⸗ lichkeit, wurden ſchnell zu Dolchen, guellend, wie die Augen züngelnder Nattern. Er antwortete dem betroffenen Frager ſodann mit kalter Verachtung:Vor dem Herrn iſt alle Creatur gleich: der Fürſt wie der Kuecht, der