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Meiſter, und wer es nicht geſehen, hat in der Welt noch nichts geſehen. Ich habe in Flandern den Tuchhandel gelernt, und lange Zeit zu London in dem Geſchäft ge⸗ dient; ich hab' in Frankreich und in Portugat mich um⸗ geſehen, und komme juſt von Liſſabon, über Amſterdam, um in der Heimath mich niederzulaſſen und einzurichten.“
„Beim Hagel, das wäre?“ rief Straatener halb ungläu⸗ big.—„Seht Ibr nun?“ fragte der Schiffer frohlockend. Hazenbrooker, einen Wuthblick auf die Kampens werfend, die von ferne zuhorchte, ſchlich eilig davon. Der empor⸗ gekommene Schneider fuhr prahlend fort:„Ihr wundert Euch wohl nicht mehr, guter Straatener, daß ich dann und wann nicht aufmerkſam der Arbeit wartete, hie und da den linken Aermel in das rechte Aermelloch ſetzte, die Knöpfe links aufnähte, und manche Zwillchjacke mit dein Bügeleiſen verbrannte? Ich ſtrebte nach Höherem, ſage ich Euch; ich wäre gerade nur ein Schneider für große Herren geworden. Ihr hättet mir Euer Haus und Eure Werkſtätte ſchenken dürfen, ich hätte nichts daraus ge⸗ nommen, wenn ich etwa Euer Töchterlein abrechne, dem ich von Herzen gewogen war.“
„Ich weiß, Jan, ich weiß, Ihr kamt darüber aus dem Hauſe. Doch das ſind alte Geſchichten, und zudem iſt jetzt Alles vorbei. Das Mädel iſt verheirathet.“
„Gott ſegne ſie mit ſeinen beſten Gaben!“ ſprach Jan mit gefalteten Händen andächtiglich:„Sie war mir nicht beſchieden. Dazumal hättet Ihr mir ſie nicht ge⸗ geben, und heute ja, mein Gott und Herr, ein Kaufmann muß in reiche und vornehme Geſchlechter hei⸗ rathen, daß ſein Einfluß wachſe, wäre auch ſeine eigene Habe noch ſo bedeutend. Nicht wahr, liebe Frau 2“ Er wendete ſich an die Wirthin, die mit Wohlgefallen hörte, wie er des hochmüthigen Schneidermeiſters Tochter ver⸗ achtete.—
„Stellt doch um St. Peters Willen den Burſchen


