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war, dann verſicherte er uns ſo lange feſt und bündig, daß wir nicht untergehen könnten, weil er auf dem Schiffe ſey, bis wir ihm glaubten; und ſiehe: es hat eingetrof⸗ fen. Wir wurden gerettet bei Dünkirchen, wie wir ſchon bei Oporto ſalvirt worden ſind, obgleich dazumal das „Meerſchwein“ fünf Wochen auf dem Werfte liegen mußte, um kalfatert zu werden. Der Nordwind, der uns zum guten Ende ſchier in den Texel verſchlug, hat uns nichts gethan, Dank den Gebeten und Ermahnungen des jun⸗ gen Herrn!“
„Mir gebührt ein kleiner Ruhm,“ ſagte der Jüng⸗ ling, und ſtrich, geſchmeichelt, ſeinen rothbraunen Bart, der, wie die krauſen Löckchen des Haupthaars, grell gegen das weiße langnaſige Geſicht abſtach:„Gottes Geiſt ſchwebt über den Waſſern, und, wer da glanbet, wird unverletzt ſeyn in Sturm und Ungewitter!“ Er ſchlug die Augen, ſchwimmend in Verzückung, zum Him⸗ mel auf. Während die Umſtehenden, ob der ſeltenen Frömmigkeit des jungen Bluts verwundert, durch einan⸗ der murmelten, ließ der Fremde die Blicke ſinnlich und durchdringend auf die Wirthin niedergleiten, drückte ihr verſtohlen die Hand, und ſagte ihr leiſe:„Seyd mun⸗ ter, ſchöne holde Frau. Die alte Theerbüchſe kommt Euch ungelegen; doch, wie das Lied ſagt:
„Es birgt ein brütend Weiberhirn
„ſich trefflich hinter glatter Stirn!“— Die Kampens betrachtete ihn ſtaunend und ſprachlos. Er wendete ſich aber barſch zu dem Hauswirth:„Mich dünkt, es daure lange, bis das Pferd ankömmt, das mich weiter tragen ſoll 2“
„Beim Blitz! ich hatt es rein vergeſſen!“ fuhr Kam⸗ pens auf:„He, holla, Geert, ſpringe hinüber zum Nach⸗ bar Milchverkäufer. Er ſoll ſein Pferd und ſeinen Bu⸗ ben ſchicken. Der gnäd'ge Herr da will heute noch gen Gravenhagen reiten.“
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