Teil eines Werkes 
51. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 1. Band (1840)
Entstehung
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Kopf und das Antlitz einiger Kneipenkunden reihten ſich an Berndts; aber hinter dieſen ſchaute Einer herüber, der die Frau Kampens ſo zu erſchüttern ſchien, daß ſie beinahe wieder die Augen geſchloſſen hätte. Unverwandt Jenen betrachtend, ſitzend, und die Worte, nicht den Blick an ihren Mann richtend, fragte die Wirthin:Ihr lebt, mein Herr und Meiſter? Wie kam's denn nur, daß wir Euch für todt hielten 2«Ei, zum Blitz, unſere Frau, wir könnten eben ſo gut jetzo als todte Körper auf den Wogen treiben, als wir, den Heiligen ſey Dank, auf un⸗ ſern Füßen lebendig vor Euch ſtehen.

Der papiſtiſche Krimskrams von den Heiligen war vom Uebel, guter Freund. Dankt Gott, und Alles ſey damit abgethan. So ſprach der fremde Menſch, den die Frau bisher unausgeſetzt betrachtete, mit galliger Leiden⸗ ſchaft, kurz und derb heraus, und kehrte dem Kreiſe der der Helfer und Neugierigen den Rücken. Seine Worte, den auweſenden Altgläubigen ein Greuel, ein wohllau⸗ tend Lied den Lutheriſchgeſinnten in der Stube, erregten Verwunderung, aber Niemand antwortete darauf. Hin⸗ gegen ging der Hausherr mit langen Beinen auf den Fremden los, führte ihn vor ſeine Fran, und ſagte mit dem Gefühl eines dankbaren Herzens, zugleich mit der lächerlichen Salbung eines Thoren, der ſich wichtig macht: Seht da, Frau, den Herrn, dem ich nächſt Gott meine Rettung verdanke. Wir waren übel daran im Angeſichte von Dünkirchen;.. nun, Ihr werdet das Meerſchwein ſehen, wenn wir einmal zum Hafen fahren: geborſten, leck, ein Sieb, mit einem Wort. Die Arme wollten uns er⸗ lahmen an dem Schöpfwerk!.. da war zum Glück dieſer Fremde als Reiſender an meinem Bord, und er betete uns vor ſo jung er iſt, hat er, glaube ich, alle Pro⸗ pheten und Gebetbücher, auswendig gelernt, im Kopfe, und wenn wir dennoch inne hielten mit Arbeiten, und ſein Mund von der Anſtrengung trocken geworden