Teil eines Werkes 
51. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 1. Band (1840)
Entstehung
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Bauch die Streiter ſteigen werden, Troja zu gewinnen. O weh, des blut'gen Werks der Nacht! o weh des Jam⸗ mers vieler Mütter! das Schwert iſt ſtark, doch ſtärker iſt die Bosheit wilder Rachegeiſter!

Gleich den tauſend und aber tauſend Köpfen, die von allen Seiten ſich begierig auf langen Hälſen ſtreckten, um vom Schauſpiel keine Geberde zu verlieren, ſtarrte die verliebte Wirthin geſpannt und hochathmend in den Trupp der griechiſchen Krieger, die dem Roß entſtiegen, und das hölzerne Ilium mit Feuer anſtießen. Die An⸗ gen der Schifferin loderten heller wie die Fackeln, da ſie des wackerſten Helden anſichtig wurden: Agamemnons, des Königs der Könige, wie er ſo herrlich auftrat, mit nickender Pfauenfeder auf dem goldumzackten Helm; ge⸗ waffnet im Uebrigen zwar, wie ein Küriſſer, aber pran⸗ gend mit einem langen flächſenen Barte, der bis auf den Gurt von Büffelleder niederfiel. Das war Hazenbroo⸗ ker, der Hauptſpieler und Anführer der Leiden'ſchen Ko⸗ mödiantengilde, die aus den Handwerkszünften zuſammen⸗ geworben wurde, je nachdem eine oder die andere der ſpärlich geſtatteten Vorſtellungen mitſpielenden Volks mehr oder weniger bedurfte. Alle überſtrahlend an Geſtalt, Re⸗ dekunſt und Gelehrſamkeit lebte der geweſene Schulmeiſter, Hazenbrooker, ein Lehrer für Alle und ein Vorbild; ein Hauptmann und Schatzmeiſter der fröhlichen Bande. Hazenbrooker obenauf! jubelte das Volk der Zuſchauer, da der Held den alten langen Priamus, ſtolzirend in dem ausgedienten Pluviale einer Stiftskirche, niederſtreckte, und ſich bereitete, die Schlußrede anzuheben. Er ſuchte mit ſeinen ſcharfen Blicken die Holdſchaft ſeines Herzens, und nachdem er ſie ausfindig gemacht, ſtemmte er den linken Arm in die Seite, ſtreckte die Rechte mit dem Komman⸗ doſtab weit aus, und ſprach mit Donnerſtimme, was ihm der Dichter in den Mund legte. Und als er an die Stelle gekommen war, wo es hieß: