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die alten Hexen machen den jungen Dirnen ein Blend⸗ werk vor, um Geld zu verdienen, aber der Himmel, der Alles fügt, kehrt ſich nicht an ihre trügeriſchen Künſte. Es ſind beiläufig ſechs Jahre verſtrichen, ſeit ich,— da⸗ zumal ein unverheirathet naſeweiſes Ding,— that, wie Du gethan. Ich hatte keinen Freier, und wuͤnſchte mir doch einen. Ich ſtand in meiner Blüthe, und fürchtete ſchon den Herbſt. Ich war voll Angſt, und opferte der Meert meinen Spartopf, um zu wiſſen, ob ich denn einen Mann bekommen, und wie der Mann ausſehen würde. Denke Dir nur, was das alte Thier mir für mein blan⸗ kes Geld vorſpiegelte2“
„Am Ende was recht Vornehmes2“ fiel Natje ſehr begierig ein:„einen Magiſter, einen Domine, oder einen Rathsherrn, oder einen Kriegsmann mit Fahn' und Ehren 24
„Wohl mehr als dieſes!“ ſeufzte die Kampens un⸗ muthig:„ein Mann zeigte ſich im Spiegel, der mit köſt⸗ lichen Kleidern angethan war. An ſeinen Fingern glänz⸗ ten viele Ringe, goldene Ketten hingen über ſeine Bruſt. Der Mann, obgleich ſehr mager und bleich, gefiel mir. Seine Augen ſchwammen in einer Art von Verzückung, die rothbraunen, krauſen Locken ſeines Haars ſtanden ihm ſo ſchoön; aber, Natje, denke Dir: auf deſſen Locken ſaß— uicht eine Mütze, nicht eine Pickelhaube— aber eine Krone!“
Natje verneigte ſich vor Ueberraſchung, wie in der Kirche.—„Eine Krone von purem Golde, ſage ich Dir,“ fuhr die Wirthin fort:„Die des Kaiſers und Königs kann nicht ſchöner ſeyn.— Ich erſchrack, aber es war ein frendiger Schreck und ich träumte nur von Für⸗ ſten und Prinzen, bis mir ein Paar Tage darauf des Schneidermeiſters Straatner Töchterlein vertraute, daß die alte Meert ihr Zug für Zug denſelben König als künftigen Ehegemahl im Spiegel gezeigt. Da war's am Tage, daß Alles nur Betrügerei. Der Erfolg hat's


