Teil eines Werkes 
51. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 1. Band (1840)
Entstehung
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»Du biſt verhext, Natje,« erwiederte die Wirthin: Seit geſtern iſt Dir der Kopf verdreht; ich hab' es wohl bemerkt. Wie geht das zu? Wer iſt daran ſchuld?

Hm, diealte Meert hat mich böſe gemacht. Ei, wie kommt mein gutes Natje zu der hinkenden, boshaften Meert, die zaubern kann, und einen Kater hat, von dem man ſagt, er ſey der Teufel 2

»Eben, weil ſie zaubert, ging ich geſtern Nacht zu ihr, als mich die Frau zum Schiffmeiſter ſchickte.

O Du gottvergeſſ'ne Jungfer!Es haben's wohl tauſend Dirnen vor mir gethan, und ich werde nicht die letzte ſeyn, die im Voraus ihren Bräutigam zu ſehen begehrt.Aha, ich verſtehe. Die Alte zeigte Dir im Spiegel Einen, der Dir nicht gefiel!

Ihr habt's errathen, Frau. Mein Gott und Vater! ein armes Mädchen, wie ich, wünſcht auch eine Verſor⸗ gung, und die Verſorgung iſt ein Maun. Da wäre aber Hendrick, Ridder's Sohn, der cleviſche Reiter; er ſtünde mir wohl an, und hat geſagt, er wollte mich heirathen, ſobald er von des Herzogs Reiſigen ſeinen Abſchied er⸗ halten. Nun wünſchte ich zu wiſſen, ob der Himmel es wohl zugeben würde, und fragte die Meert. Pfui der Schande, was hat ſie mir in dem Spiegel gezeigt? Einen plumpen, dicken Geſellen in grauer Jacke, gelehnt an eine Gurkenbude. O die Schmach! ich eine Gurkenverkäuferin! ich die Frau des rothnäſigen Dickwanſtes! Ich weine mir die Augen aus dem Kopfe.

Natje lehnte das Haupt an das Geſimſe des Kamins, und überließ ſich ihrer Trauer, bis Fran Kampens ernſt⸗ haft und derb anhob:Sey nicht thöricht, Bräutchen, und zerknittere nicht die ſchöngeſteifte Sonntagshaube. Wenn ich Dir nun ſage, daß die Künſte der alten Meert nicht ſo viel bedeuten, als eine taube Nuß? Wenn ich Dir's beſtätige durch mein eigen Beiſpiel 2

Natje horchte auf. Die Wirthin fuhr fort:Sieh,