Teil eines Werkes 
52. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 2. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

und ſprach zu Rynald feierlich:Der Prophet hat ſein Gebet beendigt, und verlangt nach Dir, mein Bruder. Auf Wiederſehen, Meiſter zum Ringe! ſagte der Fähndrich ſchnell.

Werden wir Dich auch wiederſehen 2 fragte Lüdger bekümmert, und mit wiederholtem Kopfnicken machte ſich Rynald von ihm los.

Jan Bockelſon ſaß in ſeiner Stube neben der aufge⸗ ſchlagenen Bibel. Er begrüßte den jungen und gelehr⸗ ten Kriegsmann mit Freundlichkeit. Sein Geſicht war gefärbt, ſeine Augen glänzten, wie von einem wichtigen Entſchluſſe beſeelt, ſeine Rede klang nicht eintönig und frömmelnd; ſie glich den ſeltſamen Sprüngen eines glat⸗ ten Fiſches, der ſich in der beruhigten See weidlich tum⸗ melt.Was bringſt Du mir? ſprach Jan den Fähn⸗ drich an,Dein Eintritt in das Hörterthor wurde mir ſchon gemeldet.

Die Nachrichten ſind gut, Jan Bockelſon. Ich habe mit dem Oberſt Gerhard Münſter geredet, und er ſchien im Sinne zu haben, bald mit einem ſtarken Haufen Fuß⸗ volks zu uns überzugehen. Der Sold bleibt aus, der Biſchof hat nicht einen Dukaten mehr in ſeinem Schatz; die Hilfe von Köln und Jülich wird täglich zweifelhafter; die Statthalterin von Brabant verweigert jeden fernern Beiſtand, weil, wie ſie behauptet, die Sache ſich in die Länge ziehe, und Graf Waldeck nicht verſtehe, unter ſei⸗ nen Kriegsvölkern Mannszucht zu halten. Statt der verſprochenen Beute zu genießen, hungern die Söldner, und die Meißniſchen Fahnen, uns bisher die gefährlichſten, ſind vor allen ſchwierig. Ihr Anführer, Albrecht Belt, wäre nicht abgeneigt, ſein ganzes Lager uns zuzuführen.

Ein wichtiger Triumph, mein Bruder, lächelte der Prophet und rieb ſich die Hände,das fehlte noch un⸗ ſerem geſtrengen Herrn Belagerer. Sie ſollen kommen, die Meißner; unſere Thore werden ihnen offen ſtehen.