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„Hm, nein und ja, wie Ihr's auslegt. Hört mich an. Ich ging mit ihm durch die finſtern Gaſſen, und wollte ihm über die mir anvertraute Schanze helfen. Da wollte das Unglück, daß Kerkering mir begegnete. Als einer der Stadthauptleute machte er ſeine Runde mit Mannſchaft und Fackeln. Es war nicht auszuweichen. „Wer geht mit Dir 26 fragte er und leuchtete dem Kua⸗ ben in's Geſicht. Ich hätte demſelben vielleicht dennoch den Kopf aus der Schlinge gezogen, wenn er nicht, alle Faſſung verlierend, an ſich ſelbſt zum Verräther gewor⸗ den wäre. Er wollte von meiner Seite mit dem Rufe: „Jeſus Maria! ich bin des Todes!“ entſpringen, und verſuchte, ſich mit dem Dolche gegen die Verfolger zu wehren.„Das iſt ein biſchöflicher Bube!“ ſagte Kerke⸗ rina, und ſtellte die Frage an mich, wie ich zu dem Ge⸗ fangenen gerathen ſey? Ich fand nun keine andere ge⸗ rechte Antwort, als zu ſagen:„Ei, gerade, weil er mein Gefangener iſt.“ Hätte ich anders geredet, ich würde nur meinen Hals mit dem ſeinigen auf's Spiel geſetzt haben.“
„Freilich, Rynald, freilich. Du biſt nicht zu ſchelten. Du mußt leben, für Angela leben, Rynald. Was fingen ſie aber mit dem Menſchen an? ich zittre.“
„Sie haben ihn in's Kloſter Roſenthal geſetzt, und ſeiner anfänglich vergeſſen, da der Begebenheiten zu viele ſich drängten. Ich habe öfters verſucht, ob ich dem Ar⸗ men nicht aus dem Zwinger helfen möchte, aber Knip⸗ penbroik iſt der Aufſeher des Kerkers geworden, und jede Beſtechung bei dem harten Manne vergebliche Mühe. So trug ich ſtill die Bürde meines Gewiſſens, der Zeit ver⸗ trauend; aber jede Frage von Angela's Lippen, die den Junker betraf, ſpürte ich im Herzen, als ein bohrendes Schwert. Darum mied ich ſie.“
„Du hatteſt Unrecht, Rynald. Mein Kind liebt Dich
ſo ſehr, und ich habe ja nichts mehr dawider, zumal da


